Franklin Templeton rechnet für das erste Jahr mit 6,5 bis 8 Millionen Altersvorsorgedepots; die Zahl ist eine Schätzung des Hauses. Zum Start entscheidet zunächst der Preis. Auf Dauer entscheiden die Kosten über Jahrzehnte, der Zugang zur Beratung und ein Produktaufbau, der zur Lebenslage passt. Zwei Beiträge von DAS INVESTMENT liefern dafür Zahlen und Argumente, die wir hier einordnen.

Was 1,25 statt 0,1 Prozent Kosten über 43 Jahre ausmachen

Der Aktuar Robert Bahnsen, der Versicherer berät und digitale Finanzplanungstools entwickelt, hat für DAS INVESTMENT drei Modellfälle gerechnet. Alle drei zahlen den geförderten Eigenbeitrag von 1.800 Euro im Jahr, gehen mit 67 in Rente und beziehen die Extra-Rente bis 92. Die erste ist eine 24-jährige Berufseinsteigerin mit 38.000 Euro Bruttoeinkommen und 43 Beitragsjahren. Der zweite, ein 45-jähriger Gutverdiener mit 85.000 Euro und zwei Kindern, zahlt 22 Jahre ein. Die dritte, eine 50-jährige Selbstständige mit 60.000 Euro Gewinn, kommt auf 17 Beitragsjahre.

Als Vergleichsmaßstab dient ein freies ETF-Depot mit 0,2 Prozent jährlichen Kosten und 0,25 Prozent Transaktionskosten. Bahnsen unterstellt Brutto-Aktienrenditen von 7,9 Prozent pro Jahr, bei Anleihen 3,0 Prozent, nominal und ohne Inflationsbereinigung. Das ist eine Modellrechnung auf Basis dieser Annahmen, keine Prognose und keine Garantie.

Jährliche Nettoentnahme, 67 bis 921,25 % Kosten1,0 % Kosten0,1 % KostenFreies ETF-Depot
Berufseinsteigerin, 43 Beitragsjahre28.700 €31.700 €45.300 €30.300 €
Gutverdiener, 22 Beitragsjahre6.930 €7.350 €9.070 €5.800 €
Selbstständige, 17 Beitragsjahre3.410 €3.590 €4.300 €3.260 €

Quelle: Robert Bahnsen (Vermögenslotse RB UG) für DAS INVESTMENT, Spaltenauswahl durch AVDEPOT.EXPERT. Kosten jeweils pro Jahr. 1,0 Prozent ist der gesetzliche Höchstwert für das Standarddepot.

Den größten Abstand zeigt der Fall mit der längsten Laufzeit. Zahlt die Berufseinsteigerin 0,1 statt 1,25 Prozent, bleiben ihr in der Entnahmephase 16.600 Euro mehr pro Jahr, mehr als die Hälfte zusätzlich bei identischer Sparsumme. Beim Gutverdiener sind es 31 Prozent, bei der Selbstständigen 26 Prozent. Bahnsens Erklärung: Wer 43 Jahre lang Kosten trägt, spürt jeden Viertelprozentpunkt deutlich stärker als jemand mit 17 Beitragsjahren.

Ab welchem Kostensatz das Depot gegen das freie ETF-Depot verliert

Für jeden der drei Fälle gibt es nach Bahnsens Rechnung eine Kostengrenze, ab der das Altersvorsorgedepot hinter ein selbst gebautes ETF-Depot zurückfällt. Sie liegt bei der Berufseinsteigerin bei 1,1 Prozent, bei der Selbstständigen bei 1,5 Prozent und beim Gutverdiener bei 2,0 Prozent. Für die Berufseinsteigerin heißt das: Das teuerste noch zulässige Standarddepot bringt ihr kaum einen Vorteil.

Bei 1,0 Prozent Kosten hängt der Nutzen von Alter und Steuersatz ab. Bei 0,1 Prozent verliert diese Abhängigkeit an Gewicht: Ein Sparer mit 30 Prozent Grenzsteuersatz gewinnt dann in jedem Alter, solange sein Steuersatz im Ruhestand unter 40 Prozent bleibt. Die Steuersatzlogik bleibt bestehen, der Kostenvorteil verschiebt ihre Grenze weit nach oben. Die Altersgrenzen für den Fall mit 1,0 Prozent Kosten haben wir im Beitrag Staatliche Förderung im Fokus: Was junge Familien und Späteinsteiger beachten müssen aufgeschlüsselt.

Kosten nach Rentenbeginn: Hier fehlt die Obergrenze

Der gesetzliche Kostendeckel von 1,0 Prozent gilt nur bis zum Beginn der Auszahlung. Was danach anfällt, muss im Produktinformationsblatt stehen; eine Obergrenze gibt es dafür nicht. In den bisher veröffentlichten Anbieterkonditionen fehlen Angaben zu dieser Phase.

Bahnsen hat die Wirkung bei gleichbleibenden Kosten durchgerechnet: Kostet die Auszahlungsphase 1,0 statt 0,1 Prozent, verlieren alle drei Modellfälle rund 9 Prozent Nettoentnahme. Einen Schutz sieht er in der Wechselmöglichkeit vor der Auszahlung. Wer ein Depot ohne Verrentungsoption hat, kann zu Rentenbeginn zu einem Anbieter wechseln, der eine Leibrente zahlt. Beratern empfiehlt Bahnsen, die Kosten der Auszahlungsphase und diese Wechseloption von Anfang an im Blick zu behalten. Wie die Auszahlung steuerlich und krankenversicherungsrechtlich behandelt wird, steht im Beitrag Altersvorsorgedepot: Was Sie zur Auszahlungsphase wissen sollten.

Frei gestaltetes Depot: Der Deckel gilt nicht

Die Obergrenze von 1,0 Prozent betrifft nur das Standarddepot mit ETFs. Ein frei gestaltetes Depot mit aktiven Fonds unterliegt ihr nicht. Die Deka nennt für ihr Individualprodukt Kosten von 1,0 bis 1,5 Prozent pro Jahr, im Standarddepot sind es 0,1 Prozent. Ein aktiv gemanagter Fonds muss nach Bahnsens Rechnung exakt die Kostendifferenz zusätzlich erwirtschaften, um gleichzuziehen: bei den Deka-Zahlen 0,9 bis 1,4 Prozentpunkte Mehrrendite pro Jahr, über die gesamte Laufzeit.

Kosten mit eigenen Annahmen durchrechnen Wie sich Vertragskosten auf das Ergebnis auswirken, lässt sich im Fördervergleichsrechner Riester vs. Altersvorsorgedepot und im Fördervergleichsrechner Basisrente vs. Altersvorsorgedepot nachvollziehen. Kosten, Renditen und Garantien sind dort Modellannahmen, keine Produktdaten.

Wo Beratung gebraucht wird und wo der Online-Abschluss reicht

Christian Machts, Country Head Deutschland und Österreich bei Franklin Templeton, erwartet zum Start einen Wettbewerb über den Preis, weil er sich am leichtesten vergleichen lässt. Den Markt entscheide am Ende aber der Zugang zum Kunden. Der Digitalkanal falle zunächst besonders auf, könne den gesamten Markt jedoch nicht allein abdecken; Chancen sieht Machts bei Häusern mit bestehenden Kundenbeziehungen. Dabei spricht ein Anbieter, der selbst Investmentbausteine an Vertriebspartner wie Morgenfund und Finanzguru liefert und kein eigenes Depot an Endkunden verkauft.

Nach den FAQ des Bundesfinanzministeriums kommt das Standarddepot auch für einen niedrigschwelligen Online-Abschluss ohne vorherige Beratung infrage; der Gesetzentwurf der Bundesregierung sah dafür den elektronischen Vertragsabschluss vor. Beratungsbedarf verortet Martin Stenger von Franklin Templeton dort, wo bereits Verträge existieren: Riester, Fondspolicen, Basisrenten oder andere Vorsorgebausteine. Heike Fürpaß-Peter, Geschäftsführerin von Morgenfund, erwartet neben den Selbstentscheidern weiterhin viele Menschen, die Beratung ausdrücklich wünschen, etwa zum Zusammenspiel mit gesetzlicher Rente, betrieblicher Altersvorsorge, Wertpapiervermögen und Immobilien.

Riester-Bestand: Vier Wege nach Angaben des Ministeriums

Laut Bundesfinanzministerium haben Riester-Sparer vier Möglichkeiten:

  • Sie führen den Vertrag mit Bestandsschutz und alter Förderung weiter.
  • Sie behalten den Vertrag und wechseln per Erklärung gegenüber dem Anbieter in die neue Förderung, ohne bisherige Zulagen zurückzahlen zu müssen.
  • Sie übertragen das Guthaben in einen neuen Vertrag, ohne bisherige Zulagen zurückzahlen zu müssen. Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten können anfallen.
  • Sie lassen den Vertrag ruhen und schließen bis zu zwei neue Altersvorsorgeverträge ab, ohne das Guthaben zu übertragen.

Wer zusätzlich zum Riester-Vertrag einen neuen Vertrag abschließt, wechselt damit in die neue Systematik, und der Bestandsschutz des Altvertrags endet. Als nicht umkehrbar beschreibt DAS INVESTMENT den Wechsel in die neue Förderung; im Gesetzentwurf der Bundesregierung ist dafür eine unwiderrufliche Erklärung vorgesehen. Die FAQ des Ministeriums äußern sich dazu nicht. Einen Wechsel von der Basisrente in einen neuen Altersvorsorgevertrag sieht das Ministerium nicht vor: Die Basisrente gehört nach seinen FAQ zur Basisversorgung der ersten Säule mit strengeren Anforderungen wie Unvererbbarkeit und Nichtkündbarkeit. Was ein Umstieg aus Riester rechnerisch bringt, ordnen wir im Beitrag Riester-Wechsel: Wann er sich lohnt ein; die Alternative zum überstürzten Wechsel steht im Beitrag Riester beitragsfrei stellen.

Produktaufbau: Gleitpfad und Kosten gehören zusammen

Lutz Morjan von Franklin Templeton glaubt nicht an ein Einheitsdepot für alle. Sein Kernargument betrifft den ungünstigsten Moment für einen Kurseinbruch: kurz vor der Rente, weil er das verfügbare Einkommen im Alter unmittelbar trifft. Gut gestaltete Lifecycle-Modelle könnten wegen der Marktschwankungen zuverlässiger sein als ein einfacher ETF-Sparplan, sagt Morjan; Stenger argumentiert in dieselbe Richtung. Im Standarddepot hat der Gesetzgeber dieses Prinzip bereits verankert: In den Jahren vor Rentenbeginn schichtet das Depot das Kapital automatisch in den vorsichtigeren der beiden Fonds um, sofern der Sparer nichts anderes wählt.

Verbraucherschützer halten dagegen und warnen vor hohen Kosten und ungünstigen Produktstrukturen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband rechnete in der Anhörung des Finanzausschusses am 16. März 2026 Modellprodukte durch. Bei 130 Euro Monatsbeitrag über 40 Jahre kam ein öffentlich-rechtliches Standardprodukt mit 90 Prozent Aktienquote und 0,2 Prozent Effektivkosten auf einen Vermögenszuwachs von 179.823 Euro. Ein aktiv vertriebenes Standarddepot mit 70 Prozent Aktienquote und 1,5 Prozent Kosten erreichte 79.807 Euro. Beide Werte stammen aus einer Modellrechnung, keiner Prognose. Die Differenz geht auf Kosten und Aktienquote zugleich zurück, und die Rechnung beruht auf dem damals vorgesehenen Kostendeckel von 1,5 Prozent; beschlossen wurden 1,0 Prozent. Ob Gleitpfad und aktive Steuerung nach Kosten einen Mehrwert liefern, müssen die Produkte erst belegen.

Kosten, Beratung und Produkt gemeinsam prüfen

Ein einzelnes Kriterium trägt die Entscheidung nicht. Die Berufseinsteigerin im Modell profitiert am stärksten von niedrigen Kosten, bei der Selbstständigen mit 17 Beitragsjahren fällt der Abstand deutlich kleiner aus. Wer bereits einen Riester-Vertrag, eine Fondspolice oder eine Basisrente besitzt, muss vor dem Abschluss klären, was ein Wechsel kostet und was er beendet. Beim Produkt entscheidet der Aufbau vor der Rente darüber, wie robust das Einkommen im Alter gegen einen Kurseinbruch ist; ob Standarddepot oder frei gestaltetes Depot, bestimmt zugleich, ob der Kostendeckel greift. Ob sich eine Beratung dafür lohnt, hängt von der individuellen Situation ab: von Erfahrung am Kapitalmarkt, von bestehenden Verträgen und davon, wie viel Zeit jemand selbst investieren will.