
Der Staat legt im Altersvorsorgedepot bis zu 540 Euro im Jahr obendrauf, ein freier ETF-Sparplan bekommt nichts dazu [1][3]. Trotzdem gewinnt das Depot nicht automatisch: Das Geld bleibt bis zum Rentenbeginn gebunden, und die spätere Auszahlung versteuert der Sparer mit seinem persönlichen Steuersatz [2][3]. Ob am Ende mehr Rente übrig bleibt, hängt vor allem von Steuersatz, Kinderzahl und Laufzeit ab.
Was der Staat dazulegt: 540 Euro bei 150 Euro im Monat
Die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr fördert der Staat mit 50 Cent je Euro, die nächsten 1.440 Euro mit 25 Cent [1][3]. Wer 1.800 Euro im Jahr einzahlt, also 150 Euro im Monat, bekommt damit die volle Grundzulage von 540 Euro [1][3]. Einzahlen lassen sich bis zu 6.840 Euro im Jahr, die Grundzulage steigt dadurch aber nicht weiter [1][5].
Je Kind kommen bis zu 300 Euro im Jahr dazu, und die volle Kinderzulage gibt es schon bei 25 Euro Monatsbeitrag [1][3]. Förderberechtigte unter 25 Jahren erhalten einmalig 200 Euro Berufseinsteigerbonus [3]. Wie die Zulagen bei kleinen Beiträgen ausfallen, zeigt die Tabelle.
| Eigenbeitrag im Monat | ohne Kind | mit 1 Kind | mit 2 Kindern |
|---|---|---|---|
| 25 € | 150 € | 450 € | 750 € |
| 50 € | 240 € | 540 € | 840 € |
| 100 € | 390 € | 690 € | 990 € |
| 150 € | 540 € | 840 € | 1.140 € |
Zulagen pro Jahr nach der ab 2027 geltenden Regelung, sofern die Förderbedingungen erfüllt sind [3].
Je kleiner der eigene Beitrag, desto höher fällt die Förderquote aus. Eine Mutter mit zwei Kindern zahlt bei 25 Euro im Monat 300 Euro im Jahr ein und erhält 750 Euro Zulage [3][5]. Ohne Kinder braucht es dagegen die vollen 150 Euro im Monat, um an die 540 Euro heranzukommen. Welche Förderung für die eigene Familie herauskommt, rechnet der Altersvorsorgedepot-Rechner durch.
Warum mehr Kapital nicht mehr Rente bedeutet
Zwei Beispiele eines ETF-Portals zeigen, wie weit Vermögen und Nettorente auseinanderliegen können [2]. Ein 45-jähriger Gutverdiener hat im Altersvorsorgedepot mit 67 rund 36.000 Euro mehr Kapital als im freien Sparplan, bekommt aber netto nur 831 Euro im Monat statt 944 Euro [2]. Im Depot unterliegt die gesamte Auszahlung dem persönlichen Steuersatz, im freien Depot werden nur die Kapitalerträge besteuert [2]. Bei einer 35-jährigen Sparerin mit Kindern fällt die Rechnung anders aus: Förderquote 38,8 Prozent, dazu 223 Euro mehr Nettorente im Monat [2].
Wie stark der Steuersatz durchschlägt, rechnet ein Fachartikel an einer Musterrechnung vor: 1.800 Euro Jahresbeitrag, 6 Prozent angenommene Rendite, keine Kinder [1]. Wer im Beruf 42 Prozent Grenzsteuersatz zahlt und im Ruhestand nur 25 Prozent, bekommt aus dem Depot rund 29 Prozent mehr Rente als aus dem freien Sparplan mit Teilfreistellung [1]. Kehrt sich das Verhältnis um, mit 35 Prozent im Beruf und 42 Prozent im Ruhestand, liegt das Depot rund 6 Prozent oder 53 Euro im Monat zurück [1]. Entscheidend ist der Abstand zwischen dem Steuersatz heute und dem im Alter, nicht der Steuersatz allein.
Beide Rechnungen arbeiten mit eigenen Annahmen zu Rendite, Kosten und Steuersätzen. Ihre Zahlen lassen sich deshalb nicht zusammenzählen oder auf den eigenen Fall übertragen. Den Vergleich mit eigenen Werten rechnet der Vergleichsrechner ETF-Depot gegen Altersvorsorgedepot.
Wann das Depot klar vorne liegt
Die Zulagen arbeiten über die Zeit mit: Je mehr Jahre bis zum Ruhestand bleiben, desto stärker wirkt der Zinseszins auf die geförderten Beträge [1]. Eine Studie rechnet mit 2.340 Euro im Jahr, die ein 20-Jähriger 50 Jahre lang einzahlt. Im Median kommen rund 550.000 Euro zusammen, nach Abzug der Inflation etwa 200.000 Euro in heutiger Kaufkraft [1]. Wer mit 45 beginnt und dieselbe Summe 25 Jahre einzahlt, erreicht gut 120.000 Euro [1].
Was das im Vergleich zum freien Sparplan heißt, zeigt eine Modellrechnung für eine 35-Jährige ohne Kinder [5]. Sie spart 150 Euro im Monat bis 67, rechnet mit 6 Prozent Rendite und 0,8 Prozent Kosten und zahlt 30 Prozent Steuer im Beruf, 20 Prozent im Ruhestand [5]. Das geförderte Depot liegt dann nach Steuern rund 26.000 Euro vorn, einschließlich gut 5.000 Euro Steuererstattung während der Sparphase [5]. Eine Mutter von zwei Kindern, die 37 Jahre lang 25 Euro im Monat einzahlt, kommt nach derselben Quelle auf einen Vorteil von mehr als 40.000 Euro [5].
Wann der freie ETF-Sparplan besser abschneidet
Kurz vor dem Ruhestand, ohne Kinder und bei ohnehin niedrigem Grenzsteuersatz schrumpft der Vorsprung des Depots [1]. Dasselbe gilt für größere Einmalbeträge, etwa aus einer Erbschaft, und für Sparer, die ihren Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro im Jahr ohnehin nicht ausschöpfen [1]. Im freien Depot bleiben bei Aktien-ETFs 30 Prozent der Erträge von vornherein steuerfrei [1][3].
Bei hohen Beiträgen verpufft die Förderung: Wer 570 Euro im Monat einzahlt, erhält trotzdem nur 540 Euro Grundzulage, die Förderquote fällt unter 8 Prozent [5]. Der größte Unterschied steht allerdings in keiner Renditezahl, sondern in der Verfügbarkeit. Ein freies Depot lässt sich jederzeit auflösen. Wer aus dem Altersvorsorgedepot vorzeitig Geld herausnimmt, verliert die Förderung; erhaltene Zulagen und Steuervorteile sind grundsätzlich zurückzuzahlen [1][3]. Ausgezahlt wird nach festen Regeln, nämlich als lebenslange Rente oder als Auszahlungsplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr. Bis zu 30 Prozent gibt es einmalig zu Beginn [1][3]. Eine freie Einmalauszahlung des geförderten Kapitals ist nicht vorgesehen [3].
Kosten: Deckel von 1 Prozent gegen ETFs ab 0,14 Prozent
Das Standarddepot im Altersvorsorgedepot darf höchstens 1,0 Prozent Effektivkosten im Jahr kosten [1][4]. Breit gestreute Welt-ETFs im freien Depot liegen bei 0,14 bis 0,20 Prozent laufenden Kosten [1], häufig bleiben sie unter 0,3 Prozent [5]. Der Deckel ist eine Obergrenze und kein Preis, und Anbieter unterbieten ihn. Scalable Capital hat angekündigt, das Standarddepot kostenfrei anzubieten; es bleiben Fondskosten von höchstens 0,15 Prozent, im Startjahr sollen auch sie auf null sinken [1]. Kleine Preisunterschiede machen über Jahrzehnte einen großen Unterschied [1]. Welche Angebote es gibt, listet der Anbieter-Monitor, und was nach dem Ende befristeter Gratis-Phasen gilt, erklärt der Beitrag zur Neobroker-Kostenfalle.
Beides kombinieren: Förderung mitnehmen, den Rest frei lassen
Bestehende ETF-Anteile lassen sich nicht ins Altersvorsorgedepot übertragen und nachträglich fördern, gefördert werden nur neu eingezahlte Beiträge [2][3]. Wer seinen Sparplan umstellen will, teilt deshalb die künftige Sparrate neu auf, die vorhandenen Anteile bleiben im bisherigen Depot [3]. Alle fünf ausgewerteten Quellen nennen eine solche Kombination als sinnvolle Option [1][2][3][4][5]. Nach unserer Rechnung bedeutet das bei 500 Euro Sparleistung im Monat: 150 Euro im Depot reichen für die volle Grundzulage, die übrigen 350 Euro bleiben frei verfügbar.
In das Depot gehört nur Geld, auf das der Sparer bis zur Auszahlungsphase verzichten kann. Wer vorher eine Immobilie kaufen oder sich selbstständig machen will, hält dieses Geld flexibel [3]. Wie sich die Aufteilung im Einzelfall lohnt, hängt von Einkommen, Steuersatz, Familie und Rücklagen ab [3][4].
Für Kinder zwischen sechs und 18 Jahren kommt die Frühstartrente hinzu: Der Bund soll zehn Euro im Monat einzahlen. Der Bundestag hat sie am 16. Oktober 2026 beschlossen, der Bundesrat muss noch zustimmen [6]. Was das für den eigenen Nachwuchs bringt, zeigt der Frühstartrenten-Rechner. Wer schon einen Riester-Vertrag besitzt, stellt die Förderung im Fördervergleich Riester gegen Altersvorsorgedepot nebeneinander. Selbstständige und Gutverdiener, die auch die Basisrente prüfen, finden die Gegenüberstellung im Fördervergleich Basisrente gegen Altersvorsorgedepot.