Die Politik baut die kapitalgedeckte Altersvorsorge konsequent aus, und die Deutschen scheinen bereit dafür [1]. Doch mehr Eigenverantwortung bedeutet auch mehr Raum für Fehler; sieben davon sollten Sparerinnen und Sparer beim Altersvorsorgedepot von Anfang an vermeiden [2].

Die Politik setzt auf mehr Kapitaldeckung

Mit dem Regierungsentwurf zur Frühstartrente hat die Bundesregierung einen ersten großen Schritt für die kapitalgedeckte Altersvorsorge gemacht. Das Altersvorsorgedepot gilt ab 2027; mit der geplanten Kapitalrente sollen weitere Bausteine folgen [1]. Die Richtung ist erkennbar: mehr Kapitaldeckung, während das umlagefinanzierte System demografisch zunehmend unter Druck gerät, und eine stärkere Beteiligung der Sparerinnen und Sparer an den Erträgen des Kapitalmarkts [1].

Eine repräsentative Umfrage unter rund 2.000 Berufstätigen zwischen 18 und 65 Jahren liefert dazu Zahlen [1]. Nur etwa 7 Prozent der Befragten wollen vollständig bei der gesetzlichen Rente bleiben. Der überwiegende Rest wäre grundsätzlich bereit, einen Teil der Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung stattdessen in eine private, kapitalgedeckte Vorsorge umzuleiten, zum Teil in beträchtlichem Umfang.

35 Prozent der Befragten schätzen sich finanziell nur als „mittelmäßig“ auf den Ruhestand vorbereitet ein, 40 Prozent gar nicht. 75 Prozent gaben an, Angst vor Altersarmut zu haben [1].

Wie groß der Effekt sein könnte, lässt sich überschlägig beziffern: Bei einem durchschnittlichen Lohnwachstum von 2,5 Prozent pro Jahr, einer durchschnittlichen Rendite von 5 Prozent jährlich auf das investierte Kapital und unter Berücksichtigung der demografischen Entwicklung könnten Frühstartrente, Kapitalrente und Altersvorsorgedepot über die kommenden 30 Jahre zusammen rund 6,5 Billionen Euro an Kapital aufbauen, die dann für Auszahlungen zur Verfügung stünden. Zum Vergleich: Das entspräche etwa 45 Prozent der Marktkapitalisierung, die der DAX über denselben Zeitraum bei einer unterstellten Rendite von 7 Prozent pro Jahr erreichen könnte [1].

Unsere Einordnung: Wem die Reform zu langsam vorangeht, kann schon heute mit einem eigenen Sparplan beginnen.

Welche Fehler Sparer vermeiden sollten

Zum 1. Januar 2027 löst das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ab. Der Bundestag hatte die Reform der geförderten privaten Altersvorsorge im März 2026 beschlossen, der Bundesrat stimmte im Mai zu [3]. Neben den Garantieprodukten steht künftig ein Depot ohne Garantie zur Wahl, in dem Sparerinnen und Sparer in Fonds und ETFs investieren; der Staat schießt Zulagen zu, und die Erträge wachsen in der Ansparphase steuerfrei. Diese neue Freiheit verlangt mehr Eigenverantwortung und eröffnet mehr Raum für Fehler. Viele davon kamen schon bei der Riester-Rente vor [2].

1. Die Kosten unterschätzen

Die ersten Neobroker liefern sich bereits einen Preiskampf um Depot- und Ordergebühren, „null Euro“ meint dabei aber nur die Depotführung. Die laufenden Kosten der enthaltenen ETFs bleiben, bei einfachen Standarddepots meist im niedrigen Zehntel-Prozentbereich pro Jahr. Teurer wird es bei frei gestalteten Premium- und Versicherungsprodukten [2]. Der gesetzliche Kostendeckel von 1,0 Prozent schützt davor nicht, denn er gilt nur für das Standarddepot. Wie stark die Kostenquote ins Gewicht fällt, zeigt ein Rechenbeispiel: Bei 100 Euro monatlichem Beitrag über 30 Jahre (36.000 Euro Eigenbeitrag) und einer angenommenen Fondsrendite von 6 Prozent vor Kosten stehen bei 0,2 Prozent Kosten rund 97.000 Euro am Ende, bei 2,0 Prozent Kosten dagegen nur rund 69.000 Euro. Das sind etwa 27.000 Euro Differenz allein durch die Kostenquote. Es handelt sich um eine Modellrechnung mit gleichbleibend angenommener Rendite, nicht um eine Prognose oder Garantie [2]. Die Kosten laufen über den Rentenbeginn hinaus weiter: beim Auszahlplan offen, bei der lebenslangen Rente versteckt im Rentenfaktor. Ein Vorteil des neuen Systems: Zu Rentenbeginn lässt sich der Anbieter wechseln, die Auszahlkosten können dann separat verglichen werden.

2. Sich in einen teuren Vertrag drängen lassen

Der Vertriebsweg entscheidet wesentlich mit. Wo Provisionen locken, empfiehlt der Vermittler nicht zwangsläufig das, was für den Kunden am besten ist, und auch vermeintlich neutrale Vergleichsportale verdienen häufig am Abschluss mit [2]. Wer sich nicht unter Zeitdruck setzen lässt, hat eine Alternative: Ein Standarddepot kommt auch für einen Online-Abschluss ohne Beratung infrage [4]. Wer Beratung sucht, findet sie bei einem Honorarberater, der am Rat verdient statt am Verkauf.

3. Zulagen nicht ausschöpfen

Die Förderung ist gestaffelt: Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr legt der Staat 50 Cent je Euro drauf, das ergibt 180 Euro Grundzulage. Für jeden weiteren Euro bis 1.800 Euro gibt es 25 Cent, in der Spitze macht das 540 Euro Förderung im Jahr. Je Kind gibt es 300 Euro Kinderzulage, für alle unter 25 Jahren außerdem einen einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro. Wer zu wenig einzahlt, bekommt die Zulagen nur anteilig; für die volle Förderung sind 1.800 Euro Jahresbeitrag nötig, für eine anteilige Zulage mindestens 120 Euro im Jahr. Ohne separaten Zulagenantrag fließt kein Cent. Eltern, die den Kinderbonus nicht beantragen, verschenken bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr [2].

4. Zu vorsichtig anlegen

„Ohne Garantie“ klingt nach Risiko, viele greifen deshalb reflexhaft zum vermeintlich sicheren Garantieprodukt. Bei einem jahrzehntelangen Sparvertrag liegt darin die größere Gefahr [2]: Wer 30 Jahre lang auf breit gestreute Aktienfonds verzichtet, verzichtet auch auf Rendite, und bei Riester bekamen Garantiesparer real teils weniger heraus, als sie eingezahlt hatten. Umgekehrt trifft ein Kurseinbruch kurz vor Rentenbeginn besonders hart. Maßgeblich ist der Anlagehorizont: Wer die Rente noch weit vor sich hat, kann chancenorientierter investieren, wer kurz davor steht, sollte das Kapital schrittweise in sicherere Anlagen umschichten. Ein Blick in die Vertragsbedingungen zeigt, nach welcher Logik der jeweilige Anbieter das automatisch erledigt. Das gilt über den Rentenbeginn hinaus: Beim befristeten Auszahlplan bleibt das Restkapital investiert, ein Einbruch trifft also auch während der Entnahmephase. Bei der Auszahlform selbst gilt: Der Auszahlplan reicht nur bis mindestens 85 Jahre, danach lebt man allein von der gesetzlichen Rente. Die lebenslange Leibrente zahlt dafür niedriger, aber bis zum Lebensende; eine Teilverrentung kann beides kombinieren.

5. Die Förderung mit der Rendite verwechseln

Zulagen und Steuervorteil wirken im Werbeprospekt üppig; das ist allerdings eine Bruttorechnung. In der Auszahlphase besteuert der Fiskus geförderte Beiträge, Zulagen und Erträge voll mit dem persönlichen Steuersatz [2]. Je nach Krankenversicherung können auf die Auszahlung auch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung anfallen; wie hoch sie ausfallen, hängt von der Kasse ab, und die Behandlung ist amtlich noch nicht abschließend geklärt. Ob sich die Rechnung am Ende lohnt, hängt vom Einzelfall ab, unter anderem vom persönlichen Steuersatz im Ruhestand. Zulagen und Steuererstattung sollten Sparer wieder anlegen, statt sie liegen zu lassen.

6. In Geldnot förderschädlich kündigen

Wird das Geld knapp, liegt eine Kündigung nahe. Teuer werden kann sie trotzdem: Wer förderschädlich kündigt, zahlt in der Regel die erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurück, der Fördereffekt löst sich rückwirkend auf. Bei Riester wurde das zum Massenphänomen: Millionen Sparer stellten ihre Verträge still oder kündigten sie ganz [2]. Die Alternative: den Vertrag beitragsfrei stellen statt zu kündigen. Dann bleibt das Ersparte investiert, und die Förderung geht nicht verloren.

7. Den alten Riester-Vertrag vorschnell umtauschen

Bestehende Riester-Verträge laufen mit ihrer Förderung unverändert weiter. Den Wechsel ins Altersvorsorgedepot entscheiden Sparer selbst, und zwar meist unwiderruflich. Ist das Kapital erst einmal ins neue Depot gewandert, führt kein Weg zurück in die alte Förderung, und die Beitragsgarantie des Riester-Vertrags verfällt. Mitunter fallen Wechselgebühren an. Ob sich der Umzug lohnt, hängt vom Alter, den Kosten des Altvertrags und dessen Garantiehöhe ab. Den Wechsel sollten Sparer vorab durchrechnen oder durchrechnen lassen [2].

Förderung ist nicht Rendite: rechnen Sie beides getrennt Diesen Fehler nimmt der Fördervergleichsrechner Basisrente vs. Altersvorsorgedepot auseinander: Er ermittelt den Steuervorteil als exakte Differenz zweier vollständiger Steuerberechnungen statt über einen pauschalen Grenzsteuersatz, weist Zulagen und Berufseinsteigerbonus getrennt aus und rechnet die nachgelagerte Besteuerung der Auszahlungsphase mit, einschließlich der Trennung von gefördertem und nicht gefördertem Kapital.
Riester-Wechsel vorab durchrechnen Ob sich ein Wechsel vom bestehenden Riester-Vertrag ins Altersvorsorgedepot lohnt, lässt sich im Fördervergleichsrechner Riester vs. Altersvorsorgedepot mit den eigenen Vertragsdaten überschlagen, einschließlich Kosten, Zulagen und Steuerwirkung.

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