Das Altersvorsorgedepot wird ab 2027 zum neuen Wettbewerbsfeld der privaten Altersvorsorge. Zahlreiche Fondsgesellschaften, Versicherer, Banken, Neobroker, Fintechs und Plattformanbieter arbeiten bereits an eigenen Lösungen. Dabei zeichnet sich schon vor dem offiziellen Start ab: Das Altersvorsorgedepot wird kein einheitliches Produkt sein.

Die bisherigen Ankündigungen reichen von selbstbestimmten Depots über standardisierte ETF-Lösungen und aktiv gemanagte Portfolios bis hin zu Garantieprodukten, digitalen Plattformen und White-Label-Lösungen für Finanzvertriebe. AVDEPOT.EXPERT gibt einen Überblick über die derzeit bekannten Anbieter, Produkte und Kooperationen.

Redaktionshinweis: Viele der hier beschriebenen Lösungen befinden sich noch in Entwicklung oder Vorbereitung. Produktmerkmale, Kosten, Fondsangebot und Verfügbarkeit können sich bis zum tatsächlichen Marktstart ändern. Der Überblick wird bei Vorliegen neuer, belastbarer Informationen aktualisiert.

Die Anbieter im Schnellüberblick

Anbieter / Kooperation Ansatz Anlagekonzept Garantie Geplanter Start
Acatis eigenes Anlageprodukt aktiv gemanagter ETF, globale Aktien Nein bereits verfügbar
Allianz / Allianz GI Versicherung + Depot Fonds, ETFs, gemanagte Strategien Varianten mit/ohne Garantie 01.01.2027
ERGO Versicherungslösungen Standarddepot, Depot, Garantieprodukt Varianten 01.01.2027
Fidelity International Anlageportfolio über die Plattform FFB aktive ETFs mit Gleitpfad (Premium) bzw. passive Indexfonds (Standard) keine Angabe 01.01.2027
FNZ Bank Depotbank / White-Label-Infrastruktur für Vertriebspartner noch offen keine Angabe in Vorbereitung
Franklin Templeton / Finanzguru digitale Lösung Franklin-Produkte keine Angabe 01.01.2027
Franklin Templeton / MorgenFund White-Label / Vertrieb Schwerpunkt ETFs keine Angabe offen
J.P. Morgan AM / MorgenFund Investmentpartnerschaft / Vertrieb Smart-Retirement-Lebenszyklusmodelle keine Angabe 01.01.2027
Growney / Vanguard Plattformlösung Vanguard-Portfolios keine Angabe offen
HANSAINVEST / Investify Tech / Baader Bank White Label Fonds-/ETF-Lösungen keine Angabe 01.01.2027
J.P. Morgan AM / Unit Plus / Xaver gemeinsames Portfolio ausschließlich aktive ETFs keine Angabe Januar 2027
Oddo BHF / Xaver Infrastruktur / White Label individuelle Partnerlösungen abhängig vom Produkt bereits in Vorbereitung
Scalable Capital Neobroker-Depot selbstbestimmtes Standarddepot Nein 01.01.2027
Sunrise App digitale Vorsorgelösung u. a. eigener Deutschland-Fonds keine Angabe offen
Union Investment Uni Vorsorge aktive ETFs und aktive Fonds mit/ohne Garantie 2027
Universal Investment / Baader Bank / Smartbroker Plattformmodell Fonds und aktive ETFs abhängig vom Produkt offen
Telekom / Telekom Finance / Xaver Arbeitgebermodell noch offen noch offen noch offen

Quelle: Zusammenstellung auf Basis der aktuellen Anbieterübersicht von DAS INVESTMENT sowie der ergänzenden Berichterstattung zu J.P. Morgan AM / Unit Plus und zur Telekom, aktualisiert um die Pressemitteilung von Fidelity International, eigene Angaben der FNZ Bank sowie die Berichterstattung von FONDS professionell zur Kooperation von J.P. Morgan AM und MorgenFund.

1. Acatis: Der erste eigene Altersvorsorge-ETF ist bereits da

Acatis gehört zu den ersten Anbietern, die nicht erst auf 2027 warten. Seit dem 8. Mai 2026 ist der Acatis Altersvorsorge ETF (ISIN DE000A428XC1) handelbar. Der ETF ist aktiv gemanagt, thesaurierend und investiert weltweit in rund 50 Aktien.

Die Titelauswahl erfolgt aus einem größeren Aktienuniversum von rund 300 bis 350 Unternehmen. Anschließend erstellt die KI-Tochter Nnaisense daraus ein optimiertes Portfolio, das regelmäßig neu gewichtet wird. Die von DAS INVESTMENT für den Start genannte Gesamtkostenquote beträgt 0,70 Prozent. Damit steht bereits heute ein konkretes Investmentprodukt zur Verfügung, das ausdrücklich für den Einsatz im künftigen Altersvorsorgedepot konzipiert wurde.

Einordnung: Acatis verfolgt einen klaren Investmentansatz: Nicht das Depot als technische Hülle steht im Mittelpunkt, sondern ein aktiv gemanagtes Aktienportfolio in ETF-Form.

2. Allianz: Drei Produktwelten

Allianz Leben will gemeinsam mit Allianz Global Investors alle drei gesetzlich vorgesehenen Produktkategorien abdecken. Geplant sind:

  • ein Altersvorsorgevertrag mit 80- oder 100-prozentiger Beitragsgarantie,
  • ein Altersvorsorgedepot ohne Beitragsgarantie,
  • das gesetzlich definierte Standarddepot.

Für das Altersvorsorgedepot und die Garantievariante soll das fondsgebundene Vorsorgekonzept Invest Flex eingesetzt werden. Kunden sollen dabei aus verschiedenen Fonds und ETFs sowie gemanagten Vorsorgedepots und Strategien wählen können. Der Marktstart ist zum 1. Januar 2027 vorgesehen.

Einordnung: Allianz kombiniert damit die klassische Versicherungskompetenz mit einem breiteren Zugang zu Fonds und ETFs.

3. ERGO: Standarddepot, Altersvorsorgedepot und Garantieprodukt

Auch ERGO plant Produkte für alle drei förderfähigen Varianten. Zum Start sollen ein Standarddepot, ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie sowie ein Garantieprodukt angeboten werden. Damit positioniert sich ERGO ähnlich wie Allianz als Anbieter, der die unterschiedlichen Produktvarianten des neuen Fördersystems aus einer Hand abdecken möchte.

4. Fidelity: Aktiv oder passiv, mit der FFB im Hintergrund

Fidelity International hat seinen Marktstart Anfang Mai offiziell angekündigt. Geplant sind zwei Produktvarianten. Das Premium-Modell setzt auf aktiv gemanagte ETFs, deren Portfoliozusammensetzung sich über einen maßgeschneiderten Gleitpfad mit zunehmender Nähe zum Renteneintritt verändert. Ergänzend kommt ein kosteneffizienteres Standardprodukt auf Basis passiver Indexfonds. Beide Varianten sollen sowohl direkt von Privatanlegern als auch über unabhängige Finanzberater und Pools zugänglich sein.

Für die operative Abwicklung greift Fidelity auf die konzerneigene Investmentplattform FFB zurück, die Kundenservice, Administration und Regulierungsprozesse übernimmt. Nach eigenen Angaben verwaltet die Fidelity-Gruppe weltweit rund 780 Milliarden Euro in Lebenszyklusstrategien, Erfahrung, die laut Unternehmen direkt in den Gleitpfad des deutschen Angebots einfließen soll.

Einordnung: Fidelity positioniert sich damit sowohl im aktiven als auch im passiven Segment und deckt über die FFB gleichzeitig Direktvertrieb und Finanzvertrieb aus einer Hand ab.

5. Franklin Templeton und Finanzguru: Digitaler Zugang

Franklin Templeton arbeitet gemeinsam mit der Finanz-App Finanzguru an einer digitalen Lösung. Finanzguru soll die technische Infrastruktur bereitstellen, während Franklin Templeton die Investmentprodukte liefert. Der digitale Zugang für Privatanleger soll ab dem 1. Januar 2027 zur Verfügung stehen.

Einordnung: Hier steht weniger die Entwicklung eines völlig neuen Investmentprodukts im Mittelpunkt. Entscheidend ist die Kombination aus Investmentangebot und digitalem Kundenzugang.

6. MorgenFund: Ein wachsendes Netzwerk an Investmentpartnern

Eine zweite Kooperation von Franklin Templeton besteht mit MorgenFund. MorgenFund soll als regulierte Plattform Produkt, Infrastruktur und Administration übernehmen und Vertragspartner der Endkunden bleiben. Franklin Templeton bringt seine globale Investmentexpertise und insbesondere sein ETF-Angebot ein. Die Lösung richtet sich unter anderem an Finanzinstitute, freie Vertriebe, Maklerpools und unabhängige Finanzberater. Ein konkreter Starttermin wurde bislang nicht genannt.

Anfang September ist ein zweiter Investmentpartner hinzugekommen: J.P. Morgan Asset Management. Die Kooperation richtet sich an ausgewählte Vertriebspartner beider Unternehmen und soll ihnen eine zusätzliche, kapitalmarktbasierte Lösung für die private Altersvorsorge ihrer Kunden eröffnen. Die Aufgabenteilung ähnelt der Franklin-Templeton-Kooperation: MorgenFund stellt die Depotlösung und die technische Infrastruktur, übernimmt Administration und operative Betreuung über den gesamten Produkt- und Kundenlebenszyklus und bleibt rechtlicher Vertragspartner der Endkunden. J.P. Morgan AM steuert seine Smart-Retirement-Lebenszyklusmodelle bei, die die Vermögensaufteilung automatisch an die jeweilige Lebensphase anpassen sollen – von der Ansparphase bis zur Auszahlphase.

MorgenFund-Geschäftsführerin Heike Fürpaß-Peter begründet den Schritt damit, dass das Altersvorsorgedepot die private Altersvorsorge in Deutschland auf eine neue Grundlage stelle. Aus den zusätzlichen Kapitalmarktchancen langfristig finanzielle Sicherheit im Ruhestand zu machen, brauche durchdachte Anlagestrategien, die unterschiedliche Lebensphasen berücksichtigen – genau dort sollen die Lebenszyklusmodelle von J.P. Morgan AM ansetzen. J.P. Morgan AM kündigt zudem an, Vermittler und Privatanleger zusätzlich mit Schulungsmaterialien, interaktiven Tools, Erklärvideos und Marketingbausteinen unterstützen zu wollen – mit der Begründung, die beste Anlagestrategie nütze wenig, wenn Anlegerinnen und Anleger sie nicht verstehen.

Einordnung: Für den Finanzvertrieb ist dieses Modell besonders interessant, weil die technische und regulatorische Infrastruktur nicht vollständig selbst aufgebaut werden muss. Dass MorgenFund innerhalb weniger Monate einen zweiten Asset-Manager an Bord holt, zeigt zudem, dass sich White-Label-Plattformen bewusst nicht auf einen einzigen Investmentpartner festlegen, sondern ihren Vertriebspartnern gezielt Auswahl bieten wollen.

7. Growney und Vanguard: Altersvorsorge als Plattform

Growney plant gemeinsam mit Vanguard eine Portfoliolösung für das Altersvorsorgedepot. Vorgesehen sind Modellportfolios für verschiedene Risikoklassen sowie ein automatisiertes Portfoliomanagement und eine Online-Beratung. Das Angebot soll sowohl Privatanlegern als auch Makler- und Vermittlerorganisationen offenstehen. Vertriebspartner sollen die Lösung als Platform-as-a-Service unter eigener Marke integrieren können.

Einordnung: Hier wird das Altersvorsorgedepot zum modularen Vertriebsprodukt: Investmentkompetenz und technische Infrastruktur kommen aus unterschiedlichen Quellen und können unter einer eigenen Marke angeboten werden.

8. HANSAINVEST, Investify Tech und Baader Bank: White Label

Ein weiteres White-Label-Modell entsteht zwischen HANSAINVEST, Investify Tech und der Baader Bank. Die Baader Bank soll die Depotführung übernehmen, Investify Tech die technische Infrastruktur bereitstellen. HANSAINVEST bringt seine Fondsplattform ein. Ziel ist eine skalierbare Lösung für Vermögensverwalter, Asset Manager und Maklerpools. Der Start ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen.

Einordnung: Das Modell zeigt, dass künftig nicht jeder Anbieter sämtliche Bestandteile eines Altersvorsorgeprodukts selbst kontrollieren muss.

9. J.P. Morgan Asset Management und Unit Plus: Portfolio aus aktiven ETFs

Eine besonders interessante Kooperation besteht zwischen J.P. Morgan Asset Management und der Berliner digitalen Asset-Management-Plattform Unit Plus. Gemeinsam entwickeln die Unternehmen ein Portfolio für das Altersvorsorgedepot, das ausschließlich aus aktiven ETFs bestehen soll. Die strategische Zusammensetzung übernimmt das Multi-Asset-Solutions-Team von J.P. Morgan AM. Dabei soll auch die globale Expertise von Unit Plus einbezogen werden.

Das Portfolio soll breit diversifiziert an den internationalen Aktienmärkten investieren und eine Streuung über Regionen, Branchen und Unternehmen ermöglichen. Der geplante Start ist Januar 2027. Das Angebot soll ausdrücklich nicht nur bereits aktienaffine Anleger erreichen, sondern den Zugang zu kapitalmarktbasierten Altersvorsorgelösungen für eine breitere Bevölkerung ermöglichen.

Damit steht bei diesem Modell nicht die Auswahl einzelner Wertpapiere durch den Anleger im Mittelpunkt. Stattdessen wird ein professionell zusammengestelltes Portfolio als zentrale Lösung angeboten. Mit der Kooperation mit MorgenFund (siehe Punkt 6) ist dies inzwischen die zweite Partnerschaft von J.P. Morgan AM in diesem Marktsegment.

10. Oddo BHF und Xaver: Die Infrastruktur im Hintergrund

Oddo BHF und Xaver verfolgen einen anderen Ansatz. Sie entwickeln keine einzelne Endkundenlösung, sondern eine digitale Plattform für White-Label-Altersvorsorgeprodukte. Adressiert werden unter anderem Banken, Versicherungen, unabhängige Finanzberater und Unternehmen außerhalb der Finanzbranche.

Die Plattform soll regulatorische und technische Prozesse bündeln und eine Integration in bestehende Vertriebs- und Kundenprozesse ermöglichen. Nach Angaben der Anbieter können über die Infrastruktur auch Standarddepots, Altersvorsorgedepots, Kinderdepots und die Frühstartrente abgebildet werden. Erste Partner sollen noch 2026 mit sogenannten Altersvorsorgedepot-Brückenprodukten starten.

Einordnung: Damit wird die technische Infrastruktur selbst zu einem Geschäftsfeld des neuen Altersvorsorgemarktes.

11. Scalable Capital: Das Altersvorsorgedepot zum Kampfpreis

Scalable Capital setzt auf einen konsequent digitalen und kostenorientierten Ansatz. Das Standarddepot soll ohne Gebühren für Konto, Depot, Sparpläne sowie einzelne Käufe und Verkäufe angeboten werden. Die Anleger sollen lediglich die laufenden Fondskosten tragen. Für ETFs nennt Scalable eine Obergrenze von 0,15 Prozent pro Jahr. Im ersten Jahr sollen diese Kosten sogar auf null reduziert werden.

Gleichzeitig richtet sich Scalable ausdrücklich an bestehende Riester-Sparer und plant einen Wechselservice. Eine Beitragsgarantie ist nicht vorgesehen.

Einordnung: Scalable könnte damit erheblichen Preisdruck auf den Markt ausüben. Entscheidend wird allerdings sein, welche endgültigen Konditionen mit der Zertifizierung und dem offiziellen Preisverzeichnis zum Start 2027 tatsächlich gelten.

12. Sunrise App: Altersvorsorge aus der Investment-App

Die Sunrise App beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit privater Altersvorsorge. Die neue Plattform soll unter anderem einen Altersvorsorgerechner bereitstellen, mit dem Nutzer Förderung und mögliche Entwicklung des Vorsorgevermögens berechnen können. Im Mittelpunkt der Anlagestrategie steht der eigene Standortfonds Deutschland (ISIN AT0000A1Z882), der einen Schwerpunkt auf den deutschen Wirtschaftsraum legt. Ein konkreter Starttermin für das Altersvorsorgedepot wird in der aktuellen Anbieterübersicht nicht genannt.

13. Union Investment: Drei Produkte unter „Uni Vorsorge"

Union Investment plant unter dem Namen Uni Vorsorge drei Produkte. Diese sollen ab 2027 exklusiv über die genossenschaftlichen Banken vertrieben werden. Einen Ausgabeaufschlag soll es bei keinem der Produkte geben.

Das Standardprodukt soll auf aktiven ETFs basieren. Zusätzlich sind zwei Varianten eines aktiv gemanagten Fondsprodukts geplant – eine ohne und eine mit Garantie. Beim ungegarantierten Produkt soll zunächst ein weltweit investierender Aktienfonds im Mittelpunkt stehen. Gegen Ende der Ansparphase ist eine schrittweise Umschichtung in einen europäischen Rentenfonds vorgesehen. Bei der Garantievariante soll dagegen ein CPPI-Ansatz zur Absicherung eingesetzt werden.

Einordnung: Union Investment verbindet damit aktives Fondsmanagement, ETF-Lösungen und unterschiedliche Garantievarianten innerhalb einer Produktfamilie.

14. Universal Investment, Baader Bank und Smartbroker: Ein modularer Baukasten

Universal Investment, Baader Bank und Smartbroker setzen ebenfalls auf eine arbeitsteilige Plattformlösung. Universal Investment will keine eigenen Altersvorsorgeverträge anbieten, sondern Fondsinitiatoren und Asset Manager bei der Strukturierung geeigneter Fonds- und ETF-Lösungen unterstützen. Die Baader Bank übernimmt die Depot- und vertragsbezogenen Kernfunktionen einschließlich Depotführung, Handelsabwicklung und Förderlogik. Smartbroker stellt den digitalen Zugang zum Endkunden bereit.

Damit entsteht ein weiterer modularer Baukasten aus Investmentprodukt, Depotbank, regulatorischer Infrastruktur und digitalem Vertrieb.

15. Telekom: Wird der Arbeitgeber zum Anbieter?

Ein besonders ungewöhnliches Modell hat DAS INVESTMENT am 24. August 2026 exklusiv berichtet. Demnach soll die Deutsche Telekom über ihre Tochter Telekom Finance ein eigenes Altersvorsorgedepot für ihre Mitarbeiter aufbauen. Das Angebot soll den Namen Magenta Finance tragen.

Nach den Informationen von DAS INVESTMENT soll die Lösung zunächst ausschließlich Mitarbeitern angeboten werden. Als technische Plattform soll das Kölner Fintech Xaver dienen. Als Kosten nennt der Bericht 0,06 Prozent zuzüglich Fondskosten.

Eine wichtige Einschränkung: Die Deutsche Telekom hat die Anfrage von DAS INVESTMENT laut Bericht nicht beantwortet. Die Angaben beruhen daher auf den Informationen der Redaktion und stellen zum jetzigen Zeitpunkt keine offiziell bestätigte Produktankündigung der Telekom dar.

Sollte das Modell tatsächlich umgesetzt werden, wäre es dennoch von erheblicher Bedeutung. Denn der Arbeitgeber würde damit nicht nur eine klassische betriebliche Altersversorgung anbieten, sondern seinen Mitarbeitern einen direkten Zugang zu einem kapitalmarktbasierten Altersvorsorgedepot ermöglichen. Damit könnte sich langfristig ein weiterer Vertriebsweg entwickeln: Der Arbeitgeber als Zugang zum Altersvorsorgedepot.

16. FNZ Bank: Eine weitere Depotbank bereitet Infrastruktur für Vertriebspartner vor

Auch abseits der bereits bekannten Kooperationen bewegt sich am Markt einiges. Die FNZ Bank, eine auf B2B-Depotlösungen spezialisierte Vollbank mit Sitz in München, gehört zu den führenden Full-Service-Partnern für Finanzvertriebe, Versicherungen, Banken, Vermögensverwalter, Kapitalverwaltungsgesellschaften und FinTechs in Europa. Nach eigenen Angaben verwaltet sie rund 155 Milliarden Euro für etwa 400 Kooperationspartner und bietet bereits heute mehrere Depotmodelle für unterschiedliche Anwendungsfälle an.

Wie andere Infrastrukturanbieter auch bereitet die FNZ Bank eine Lösung vor, mit der ihre Vertriebspartner künftig ein Altersvorsorgedepot unter eigener Marke anbieten können sollen. Zu konkreten Produktnamen, Kostenmodellen oder einem Starttermin liegen bislang keine öffentlich bestätigten Angaben vor.

Redaktioneller Hinweis: Diese Einordnung stützt sich auf allgemeine, öffentlich zugängliche Unternehmensangaben der FNZ Bank. Konkrete Produktdetails aus unternehmensinternen Unterlagen sind an dieser Stelle bewusst nicht wiedergegeben, da sie noch nicht final sind und nicht zur öffentlichen Weitergabe bestimmt waren. Wir aktualisieren diesen Abschnitt, sobald eine offizielle, öffentlich zugängliche Ankündigung der FNZ Bank vorliegt.

Einordnung: Der Vorstoß zeigt, dass sich der Wettbewerb um das Altersvorsorgedepot nicht nur bei den bekannten Endkundenmarken abspielt, sondern auch auf der Ebene der Depotbanken, die im Hintergrund für zahlreiche Vertriebspartner die technische Basis stellen.

Was diese Produktlandschaft bereits erkennen lässt

Die bislang bekannten Angebote zeigen, dass sich der neue Markt entlang mehrerer unterschiedlicher Produktstrategien entwickelt:

1. Aktiv gegen passiv

Bei den Investmentlösungen stehen sich unterschiedliche Philosophien gegenüber. Aktive ETFs und Fonds sollen durch aktive Titelauswahl beziehungsweise aktive Asset-Allokation einen Mehrwert gegenüber einem reinen Indexinvestment erzielen. Andere Anbieter setzen auf passive Indexfonds, um die laufenden Kosten möglichst niedrig zu halten. Fidelity plant beispielsweise beide Ansätze über ein Premium- und ein Standardprodukt. J.P. Morgan AM und Unit Plus setzen dagegen ausschließlich auf aktive ETFs. Acatis kombiniert aktives Management mit einem KI-gestützten Auswahlprozess.

2. Selbst entscheiden oder professionell steuern lassen

Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt in der Frage, wer die Anlageentscheidung trifft. Beim selbstbestimmten Depot entscheidet der Anleger selbst über seine Investments. Bei Modellportfolios oder gemanagten Lösungen übernimmt dagegen der Anbieter einen größeren Teil der Anlageentscheidung. Damit richtet sich der Markt künftig sowohl an kapitalmarkterfahrene Anleger als auch an Menschen, die ihre Altersvorsorge lieber professionell strukturieren lassen.

3. Garantie oder Renditeorientierung

Das neue System lässt unterschiedliche Sicherheitsniveaus zu. Das renditeorientierte Altersvorsorgedepot kommt ohne verpflichtende Beitragsgarantie aus. Daneben bleiben Garantievarianten mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie möglich. Die Anbieter reagieren darauf mit unterschiedlichen Konstruktionen. Während Scalable vollständig auf eine Garantie verzichtet, planen Allianz, ERGO und Union Investment auch Lösungen mit Garantie.

4. Kosten werden zum Wettbewerbsfaktor

Bereits jetzt zeichnet sich ein deutlicher Preiswettbewerb ab. Scalable kündigt ein gebührenfreies Standarddepot an und begrenzt die ETF-Kosten auf 0,15 Prozent pro Jahr. Das Telekom-Modell soll laut DAS INVESTMENT sogar mit 0,06 Prozent zuzüglich Fondskosten kalkulieren. Dabei darf allerdings nicht allein auf die Depotgebühr geschaut werden. Für einen seriösen Vergleich müssen alle laufenden und einmaligen Kosten des jeweiligen Gesamtkonzepts betrachtet werden – insbesondere Fonds- beziehungsweise ETF-Kosten, Verwaltung, Depotführung und gegebenenfalls Kosten für zusätzliche Dienstleistungen.

Kosten selbst durchrechnen Wie stark Abschluss-, Verwaltungs- und Fondskosten das Endkapital über 20 oder 30 Jahre verändern – und wie sich eine Beitragsgarantie auswirkt – lässt sich im Fördervergleichsrechner Riester vs. Altersvorsorgedepot mit eigenen Annahmen nachvollziehen.

5. Der Finanzvertrieb erhält neue Möglichkeiten

Besonders viele Kooperationen sind auf den professionellen Vertrieb ausgerichtet. White-Label- und Platform-as-a-Service-Modelle sollen es Banken, Maklerpools, Finanzberatern und Vermögensverwaltern ermöglichen, eigene Altersvorsorgelösungen anzubieten, ohne sämtliche technischen und regulatorischen Prozesse selbst entwickeln zu müssen. Neben Oddo BHF/Xaver bereitet inzwischen auch die Depotbank FNZ eine solche Infrastrukturlösung für ihre Vertriebspartner vor. Damit könnte das Altersvorsorgedepot auch für unabhängige Finanzberater zu einem wichtigen neuen Beratungsfeld werden.

6. Der Wettbewerb findet auch hinter den Kulissen statt

Nicht jeder Anbieter muss selbst Depotbank, Technologieanbieter, Asset Manager und Vertrieb sein. Die aktuellen Kooperationen zeigen vielmehr eine zunehmende Arbeitsteilung:

  • Asset Manager: Investmentlösung
  • Depotbank: Depotführung und Abwicklung
  • Fintech: Technologie
  • Plattform: regulatorische und administrative Prozesse
  • Vertrieb: Kundenzugang und Beratung

Gerade diese Modularisierung könnte dazu führen, dass in den kommenden Monaten noch zahlreiche weitere Anbieter und Kooperationen entstehen.

Was Anleger beim späteren Vergleich beachten sollten

Die Vielzahl der Modelle macht einen einfachen Vergleich über den Produktnamen praktisch unmöglich. Wer ein Altersvorsorgedepot abschließen möchte, sollte insbesondere auf folgende Punkte achten:

  • Anlageangebot: Welche ETFs, Fonds oder Wertpapiere können tatsächlich genutzt werden?
  • Anlagestrategie: Entscheidet der Anleger selbst oder wird das Vermögen professionell gesteuert?
  • Risiko: Wie hoch ist der Aktienanteil und wie wird er im Laufe der Ansparphase verändert?
  • Garantie: Gibt es keine Garantie, eine 80-prozentige oder eine 100-prozentige Beitragsgarantie?
  • Kosten: Wie hoch sind die Gesamtkosten über die gesamte Vertragslaufzeit?
  • Flexibilität: Kann die Anlagestrategie verändert oder können andere Fonds beziehungsweise ETFs ausgewählt werden?
  • Beratung: Ist das Produkt ausschließlich digital erhältlich oder steht zusätzlich eine persönliche Beratung zur Verfügung?
  • Anbieterwechsel: Wie einfach lässt sich das Altersvorsorgedepot später zu einem anderen Anbieter übertragen?

Für die Punkte Kosten, Garantie und Förderung lässt sich die Wirkung beziffern: Der Fördervergleichsrechner bildet Eigenbeitrag, Zulagen, Steuerwirkung, Kosten und Garantiequote monatsgenau über die gesamte Ansparphase ab und rechnet die Auszahlungsphase mit.

Jetzt berechnen, welches Konzept sich steuerlich lohnt Kostenquote, Beitragsgarantie und Rentenfaktor unterscheiden sich zwischen den Anbietern erheblich – ihre Wirkung auf das Endkapital lässt sich beziffern. Der Fördervergleichsrechner Basisrente vs. Altersvorsorgedepot rechnet Abschluss-, Verwaltungs- und Fondskosten sowie die Garantiequote monatsgenau durch und stellt die Förderung beider Wege gegenüber. Für Selbstständige ist das die entscheidende Vorfrage, bevor die Anbieterauswahl überhaupt ansteht.

Fazit: Der Wettbewerb um das Altersvorsorgedepot hat bereits begonnen

Der offizielle Start des neuen Altersvorsorgedepots steht erst zum 1. Januar 2027 bevor. Der Wettbewerb um die Kunden hat jedoch bereits begonnen. Die bislang angekündigten Produkte zeigen eine bemerkenswerte Bandbreite:

  • Acatis setzt auf einen aktiv gemanagten ETF.
  • Fidelity kombiniert über die Plattform FFB aktive ETFs mit Gleitpfad und passive Indexfonds.
  • J.P. Morgan AM entwickelt mit Unit Plus ein Portfolio ausschließlich aus aktiven ETFs und bringt seine Smart-Retirement-Lebenszyklusmodelle nun zusätzlich über eine zweite Partnerschaft mit MorgenFund ein.
  • Scalable setzt auf einen möglichst kostengünstigen digitalen Zugang.
  • Versicherer wie Allianz und ERGO verbinden das neue Depotmodell mit ihrer bisherigen Vorsorgekompetenz.
  • Union Investment entwickelt eine eigene Produktfamilie für die genossenschaftlichen Banken.
  • White-Label-Plattformen wie Oddo BHF/Xaver, HANSAINVEST/Investify Tech/Baader Bank oder die Depotbank FNZ wollen anderen Unternehmen die technische und regulatorische Infrastruktur bereitstellen.
  • Und mit dem von DAS INVESTMENT berichteten Telekom-Modell zeichnet sich sogar ein völlig neuer Vertriebsweg ab: der Arbeitgeber als Zugang zum Altersvorsorgedepot.

Damit steht schon heute fest: Das Altersvorsorgedepot wird kein einzelnes Produkt, sondern ein neuer Markt mit sehr unterschiedlichen Konzepten.

Für Anleger wird deshalb weniger entscheidend sein, welcher Anbieter am lautesten mit dem „Altersvorsorgedepot" wirbt. Entscheidend wird sein, welches Anlageconcept, welche Kostenstruktur, welche Flexibilität und welche Servicequalität tatsächlich hinter dem jeweiligen Angebot stehen. AVDEPOT.EXPERT wird die Entwicklung weiter beobachten und diesen Marktüberblick aktualisieren, sobald neue belastbare Produktinformationen veröffentlicht werden.