
Das Altersvorsorgedepot wird ab 2027 zum neuen Wettbewerbsfeld der privaten Altersvorsorge. Zahlreiche Fondsgesellschaften, Versicherer, Banken, Neobroker, Fintechs und Plattformanbieter arbeiten bereits an eigenen Lösungen. Schon vor dem offiziellen Start zeichnet sich ab: Das Altersvorsorgedepot wird kein einheitliches Produkt sein [1].
Die bisherigen Ankündigungen reichen von selbstbestimmten Depots über standardisierte ETF-Lösungen und aktiv gemanagte Portfolios bis hin zu Garantieprodukten, digitalen Plattformen und White-Label-Lösungen für Finanzvertriebe [1]. AVDEPOT.EXPERT gibt einen Überblick über die derzeit bekannten Anbieter, Produkte und Kooperationen. Die Einzelangaben zu Kosten und Starttermin mit Seitenstand führt der Anbieter-Monitor; was die Förderung im eigenen Fall ausmacht, zeigt der Rechner Altersvorsorgedepot.
Redaktionshinweis: Viele der hier beschriebenen Lösungen befinden sich noch in Entwicklung oder Vorbereitung. Produktmerkmale, Kosten, Fondsangebot und Verfügbarkeit können sich bis zum tatsächlichen Marktstart ändern. Stand der Auswertung ist der 19. Oktober 2026. Neben der Fachpresse wurden die Webseiten der Anbieter geprüft; weichen Anbieterseite und Pressebericht voneinander ab, gilt die Anbieterseite, und der jeweilige Abschnitt weist darauf hin. Der Überblick wird bei Vorliegen neuer, belastbarer Informationen aktualisiert.
Die Anbieter im Schnellüberblick
| Anbieter / Kooperation | Ansatz | Anlagekonzept | Garantie | Geplanter Start |
|---|---|---|---|---|
| Acatis | eigenes Anlageprodukt und digitale Klickstrecke über Baader Bank | aktiv gemanagter ETF, globale Aktien; Standarddepot mit zusätzlichem Renten-ETF | Nein | ETF bereits verfügbar |
| Allianz / Allianz GI | Versicherung + Depot | Fonds, ETFs, gemanagte Strategien | Varianten mit/ohne Garantie | 01.01.2027 |
| BarmeniaGothaer | Versicherer mit drei Produktkategorien | Premium mit Vermögensverwaltern, Garantierente mit 80 Prozent Beitragsgarantie, Standarddepot mit zwei Vanguard-ETFs | Nur bei der Garantierente | Januar 2027 |
| Cosmos Direkt | Direktversicherer der Generali | Standarddepot mit Option auf lebenslange Rente | Nein | Januar 2027 |
| Deka | Sparkassen-Verbund | Standardprodukt (Aktien-/Rentenfonds) oder aktiv gemanagtes Individualprodukt (bis zu drei Fonds) | Nein | 01.01.2027 (vorbehaltlich BaFin-Genehmigung) |
| Deutsche Bank / DWS / Zurich | Bank mit Fondstochter und Versicherungspartner | digitales DWS-Standarddepot, beratungsbasiertes DWS-Depot, Zurich-Versicherungslösungen | bei den Zurich-Lösungen mit und ohne Garantie | 01.01.2027 (Beratungsdepot später) |
| ERGO | Versicherungslösungen | Standarddepot, Depot, Garantieprodukt | Varianten | 01.01.2027 |
| Fidelity International | Anlageportfolio über die Plattform FFB | Standard: zwei eigene ETFs (Aktien und Anleihen) mit Gleitpfad; Plus: Vermögensverwaltung | keine Angabe | 01.01.2027 |
| flatexdegiro | Neobroker-Depot | Standarddepot Core, Standarddepot Plus (ETF-Mix aus Aktien- und Gold-/Anleihenbaustein) oder frei gestaltbares Depot Flex (bis zu 25 Produkte) | Nein | 01.01.2027 |
| FNZ Bank | Depotbank / White-Label-Infrastruktur für Vertriebspartner | noch offen | keine Angabe | in Vorbereitung |
| Franklin Templeton / Finanzguru | digitale Lösung | Franklin-Produkte | keine Angabe | 01.01.2027 |
| Franklin Templeton / Ginmon (apeiron Wealth) | White-Label-Plattform für Vertriebe, Pools, Versicherer und Banken | Investmentarchitektur, aktive und indexbasierte Bausteine, Lebenszykluskonzepte, Modellportfolios | keine Angabe | 01.01.2027 (Plattform einsatzbereit) |
| Franklin Templeton / MorgenFund | White-Label / Vertrieb | Schwerpunkt ETFs | keine Angabe | offen |
| J.P. Morgan AM / MorgenFund | Investmentpartnerschaft / Vertrieb | Smart-Retirement-Lebenszyklusmodelle | keine Angabe | 01.01.2027 |
| Growney / Vanguard | Plattformlösung | Vanguard-Portfolios | keine Angabe | offen |
| HANSAINVEST / Investify Tech / Baader Bank | White Label | Fonds-/ETF-Lösungen | keine Angabe | 01.01.2027 |
| Helvetia | Versicherer mit Startdepot vor dem Förderstart | Startdepot und AVD Standard bzw. Premium mit Oddo BHF und Xaver; später Best-Invest-Rentenversicherung | Bei der Rentenversicherung offen | Startdepot jetzt, Förderung ab 01.01.2027 |
| J.P. Morgan AM / Unit Plus / Xaver | gemeinsames Portfolio | ausschließlich aktive ETFs | keine Angabe | Januar 2027 |
| Oddo BHF / Xaver | Infrastruktur / White Label | individuelle Partnerlösungen | abhängig vom Produkt | bereits in Vorbereitung |
| Prisma Life | Lebensversicherer aus Liechtenstein | rund 140 ETFs und aktive Fonds, Standarddepot mit BarmeniaGothaer | Nein | Januar 2027 |
| Quirion / Vanguard | Digitale Vermögensverwaltung + Investmentpartnerschaft | zwei Vanguard-ETFs, automatisches Rebalancing | Nein | bereits angekündigt |
| Scalable Capital | Neobroker-Depot | selbstbestimmtes Standarddepot | Nein | 01.01.2027 |
| Smartbroker | Neobroker-Depot | Standarddepot (3 Weltindizes) oder frei gestaltbares Altersvorsorgedepot | Nein | 01.01.2027 |
| Sunrise App | digitale Vorsorgelösung | u. a. eigener Deutschland-Fonds | keine Angabe | Januar 2027 |
| Sutor Bank | Altersvorsorgedepot-as-a-Service / Infrastruktur für Anbieter (Selbst-Anbieter & White-Label); im White-Label-Modell zugleich selbst Vertragspartner der Endkunden | abhängig vom Partner (eigene oder Partner-Fonds) | abhängig vom Partner- bzw. Sutor-eigenen Produkt | Plattform bereits einsatzbereit |
| Union Investment | Uni Vorsorge | aktive ETFs und aktive Fonds | mit/ohne Garantie | 2027 |
| Universal Investment / Baader Bank / Smartbroker | Plattformmodell | Fonds und aktive ETFs | abhängig vom Produkt | offen |
| Telekom / Telekom Finance / Xaver | Arbeitgebermodell | noch offen | noch offen | noch offen |
| Trade Republic | Neobroker-Depot | Standarddepot und Selbstentscheider-Variante, kostenlos für Depot und ausgewählte ETFs | Nein | keine Angabe |
Weitere Banken, Versicherer und Fintechs, die bislang keine Kosten oder nur die gesetzliche Obergrenze nennen, stehen in Punkt 30 und im Anbieter-Monitor. Quellen: [1] bis [24]; Stand der Angaben: 19. Oktober 2026, siehe Quellenverzeichnis.
1. Acatis: Der erste eigene Altersvorsorge-ETF ist bereits da
Acatis gehört zu den ersten Anbietern, die nicht erst auf 2027 warten. Seit dem 8. Mai 2026 ist der Acatis Altersvorsorge ETF (ISIN DE000A428XC1) handelbar. Der ETF ist aktiv gemanagt, thesaurierend und investiert weltweit in rund 50 Aktien [1].
Die Titelauswahl erfolgt aus 300 bis 350 Unternehmen, die auch in anderen aktiv gemanagten Acatis-Fonds stecken. Aus diesem Pool erstellt die KI-Tochter Nnaisense ein optimiertes Portfolio, das alle drei Monate neu gewichtet wird; einzelne Positionen sollen zwischen 0,5 und 5,0 Prozent wiegen. Vergleichsindex ist der MSCI World Net Total Return EUR [1]. Die Gesamtkostenquote beträgt 0,4 Prozent pro Jahr [1]. Zum Start im Mai hatte Acatis noch 0,70 Prozent geschätzt; diese ältere Angabe gilt nicht mehr. Das Basisinformationsblatt vom 14. August weist daneben geschätzte Transaktionskosten von 0,4 Prozent aus, weil der Fonds noch kein volles Jahr besteht [24].
Über Baader Bank und Financial.com stellt Acatis Finanzdienstleistern eine digitale Klickstrecke bereit, mit der sich Kunden unter dem Namen des Vermittlers ein Altersvorsorgedepot eröffnen lassen. Vertragspartner ist die Baader Bank. Zur Wahl stehen das frei zusammengestellte Depot und ein Standarddepot, das den Acatis-ETF mit einem Renten-ETF der Risikoklasse 1 bis 2 kombiniert; diesen Renten-ETF legt Acatis eigens dafür auf [1].
Einordnung: Acatis setzt auf ein aktiv gemanagtes Aktienportfolio in ETF-Form; das Depot ist hier nur die technische Hülle. Beim Kostenvergleich zählt die Gesamtkostenquote zusammen mit den ausgewiesenen Transaktionskosten.
2. Allianz: Drei Produktwelten
Allianz Leben will gemeinsam mit Allianz Global Investors alle drei gesetzlich vorgesehenen Produktkategorien abdecken [1]. Die Produkte tragen die Namen AltersvorsorgeVertrag InvestFlex80, AltersvorsorgeDepot InvestFlex und Altersvorsorge Standarddepot; die Produktseiten sind bereits online [24]. Geplant sind:
- ein Altersvorsorgevertrag mit 80-prozentiger Beitragsgarantie (das Gesetz erlaubt 80 oder 100 Prozent),
- ein Altersvorsorgedepot ohne Beitragsgarantie,
- das gesetzlich definierte Standarddepot mit genau zwei Fonds und ohne Garantie.
Für das Altersvorsorgedepot und die Garantievariante soll das fondsgebundene Vorsorgekonzept Invest Flex dienen. Kunden sollen aus verschiedenen Fonds und ETFs sowie gemanagten Vorsorgedepots und Strategien wählen können. Der Marktstart ist zum 1. Januar 2027 vorgesehen [1].
Für Kunden und Berater stellt die Allianz einen Förderindikationsrechner bereit, der die bisherige Riester-Förderung mit der neuen Förderung vergleicht und dazu Familienstand, Kinder und Bruttoeinkommen abfragt [1]. Ein anbieterunabhängiger Blick auf dieselbe Frage bietet der Fördervergleich Riester gegen Altersvorsorgedepot.
Einordnung: Allianz verbindet das klassische Versicherungsgeschäft mit einem breiteren Zugang zu Fonds und ETFs.
3. ERGO: Standarddepot, Altersvorsorgedepot und Garantieprodukt
Auch ERGO plant Produkte für alle drei förderfähigen Varianten. Zum Start sollen ein Standarddepot, ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie sowie ein Garantieprodukt angeboten werden [1]. ERGO will, ähnlich wie Allianz, die unterschiedlichen Produktvarianten des neuen Fördersystems aus einer Hand abdecken.
Kunden und Vertriebspartnern stellt ERGO die Informationen zur Reform gebündelt bereit, dazu einen interaktiven Zulagenrechner [1]. Wer eine Versicherung zwischen dem 1. Januar und dem 1. März 2027 beginnt und mindestens zwölf Monate besparrt, erhält nach Angaben von ERGO eine Early-Bird-Prämie von 50 Euro [24].
4. Fidelity: Zwei eigene ETFs im Standard, Vermögensverwaltung darüber
Fidelity International bietet das Altersvorsorgedepot ab dem 1. Januar 2027 an, direkt, über unabhängige Finanzberater und über Vermittlerpools [22]. Das VorsorgeDepot ist das Standarddepot und besteht aus zwei eigens aufgelegten ETFs: einem weltweit anlegenden Aktien-ETF der Risikoklasse 4 (Fidelity All Country Equity Research Enhanced) und einem Anleihen-ETF der Risikoklasse 2 (Fidelity Euro Ultra Short Duration Bond). Beide kommen im vierten Quartal auf den Markt [22]. Ein Lebenszyklusmodell senkt das Risiko, je näher der Ruhestand rückt [1].
Für das VorsorgeDepot nennt Fidelity rund 0,35 Prozent Produktkosten im Jahr und eine Depotgebühr von einem Euro im Monat [22]. Eine Pressemeldung beziffert die Produktkosten des Standardprodukts auf 35 bis 75 Basispunkte im Jahr zuzüglich zwölf Euro Depotentgelt [22]; vom Vertriebsweg hängt ab, ob 0,35 oder 0,75 Prozent anfallen [1]. Nach der Fußnote der Fidelity-Produktseite stecken in den Produktkosten unter anderem Abschluss- und Vertriebskosten, Verwaltung, Plattformkosten und die Fondskosten [24].
Das VorsorgeDepot Plus ist eine Vermögensverwaltung mit drei Risikoprofilen, die aktiv gemanagte ETFs als Kern mit ausgewählten aktiven Fonds ergänzt [1]. Beim Preis gehen die Quellen auseinander: Eine Marktübersicht nennt 1,35 Prozent im Jahr plus 24 Euro Depotentgelt [1], die Produktseite von Fidelity (Stand 10.2026) rund 0,6 Prozent plus zwei Euro im Monat [24]. Maßgeblich ist die Seite des Anbieters; ob die 1,35 Prozent auf einer älteren Preisstufe beruhen, geht aus keiner der Quellen hervor.
Im Laufe des Jahres 2027 will Fidelity ein offenes Altersvorsorgedepot nachreichen, bei dem Kunden oder ihre Berater die Fondsauswahl selbst übernehmen [22]; die FFB-Plattform soll im ersten Halbjahr 2027 für weitere Anbieter öffnen [1]. Gespräche führt das Haus nach eigenen Angaben auch mit Unternehmen, die Mitarbeitern neben der Betriebsrente einen Zugang zum Altersvorsorgedepot bieten wollen [1]. Die Abwicklung läuft über die konzerneigene Plattform FFB, die Kundenservice, Administration und Regulierungsprozesse übernimmt. Die Fidelity-Gruppe verwaltet nach eigenen Angaben weltweit rund 780 Milliarden Euro in Lebenszyklusstrategien; diese Erfahrung soll in den Gleitpfad des deutschen Angebots einfließen [4].
Einordnung: Fidelity setzt im Standard wie in der Vermögensverwaltung auf aktives Management und liegt bei den Produktkosten über den Neobroker-Angeboten. Dafür kommt alles aus einer Hand: Produkt, Plattform und Auszahlung.
5. Franklin Templeton und Finanzguru: Digitaler Zugang
Franklin Templeton arbeitet gemeinsam mit der Finanz-App Finanzguru an einer digitalen Lösung. Finanzguru soll die technische Infrastruktur bereitstellen, während Franklin Templeton die Investmentprodukte liefert. Der digitale Zugang für Privatanleger soll ab dem 1. Januar 2027 zur Verfügung stehen [1]. Laut Finanzguru ist das Angebot für den 1. Januar 2027 vorgesehen; derzeit läuft eine Warteliste, eigene Kostenzahlen nennt die Seite nicht [24].
Einordnung: Hier steht weniger die Entwicklung eines völlig neuen Investmentprodukts im Mittelpunkt. Entscheidend ist die Kombination aus Investmentangebot und digitalem Kundenzugang.
6. MorgenFund: Ein wachsendes Netzwerk an Investmentpartnern
Eine zweite Kooperation von Franklin Templeton besteht mit MorgenFund. MorgenFund soll als regulierte Plattform Produkt, Infrastruktur und Administration übernehmen und Vertragspartner der Endkunden bleiben. Franklin Templeton bringt seine globale Investmentexpertise und insbesondere sein ETF-Angebot ein. Die Lösung richtet sich unter anderem an Finanzinstitute, freie Vertriebe, Maklerpools und unabhängige Finanzberater. Ein konkreter Starttermin wurde bislang nicht genannt [1].
Anfang September ist ein zweiter Investmentpartner hinzugekommen: J.P. Morgan Asset Management. Die Kooperation richtet sich an ausgewählte Vertriebspartner beider Unternehmen und soll ihnen eine zusätzliche, kapitalmarktbasierte Lösung für die private Altersvorsorge ihrer Kunden eröffnen. Die Aufgabenteilung ähnelt der Franklin-Templeton-Kooperation: MorgenFund stellt die Depotlösung und die technische Infrastruktur, übernimmt Administration und operative Betreuung über den gesamten Produkt- und Kundenlebenszyklus und bleibt rechtlicher Vertragspartner der Endkunden. J.P. Morgan AM steuert seine Smart-Retirement-Lebenszyklusmodelle bei, die die Vermögensaufteilung automatisch an die jeweilige Lebensphase anpassen sollen, von der Ansparphase bis zur Auszahlphase [6].
MorgenFund begründet den Schritt damit, dass das Altersvorsorgedepot die private Altersvorsorge in Deutschland auf eine neue Grundlage stelle. Aus den zusätzlichen Kapitalmarktchancen langfristig finanzielle Sicherheit im Ruhestand zu machen, brauche durchdachte Anlagestrategien, die unterschiedliche Lebensphasen berücksichtigen; dort sollen die Lebenszyklusmodelle von J.P. Morgan AM ansetzen [6]. J.P. Morgan AM will Vermittler und Privatanleger mit Schulungsmaterialien, interaktiven Tools, Erklärvideos und Marketingbausteinen unterstützen, denn die beste Anlagestrategie nütze wenig, wenn Anlegerinnen und Anleger sie nicht verstehen [6].
Einordnung: Für den Finanzvertrieb ist das Modell attraktiv, weil er die technische und regulatorische Infrastruktur nicht vollständig selbst aufbauen muss. MorgenFund hat innerhalb weniger Monate einen zweiten Asset-Manager gewonnen; die Plattform legt sich also nicht auf einen einzigen Investmentpartner fest.
7. Growney und Vanguard: Altersvorsorge als Plattform
Growney plant gemeinsam mit Vanguard eine Portfoliolösung für das Altersvorsorgedepot. Vorgesehen sind Modellportfolios für verschiedene Risikoklassen sowie ein automatisiertes Portfoliomanagement und eine Online-Beratung. Das Angebot soll Privatanlegern ebenso wie Makler- und Vermittlerorganisationen offenstehen. Vertriebspartner sollen die Lösung als Platform-as-a-Service unter eigener Marke integrieren können [1]. Auf der eigenen Seite führt growney das Depot als Altersvorsorgedepot (2027), wahlweise selbst verwaltet oder durch growney als digitalen Vermögensverwalter. Derzeit ist nur eine Vormerkung möglich, Kosten nennt die Seite nicht [24].
Einordnung: Hier wird das Altersvorsorgedepot zum modularen Vertriebsprodukt: Investmentkompetenz und technische Infrastruktur kommen aus unterschiedlichen Quellen und können unter einer eigenen Marke angeboten werden.
8. HANSAINVEST, Investify Tech und Baader Bank: White Label
Ein weiteres White-Label-Modell entsteht zwischen HANSAINVEST, Investify Tech und der Baader Bank. Die Baader Bank soll die Depotführung übernehmen, Investify Tech die technische Infrastruktur bereitstellen. HANSAINVEST bringt seine Fondsplattform ein. Ziel ist eine skalierbare Lösung für Vermögensverwalter, Asset Manager und Maklerpools. Der Start ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen [1]. Auf der Seite des Unternehmens stehen ein Standarddepot mit zwei HANSAINVEST-Fonds und höchstens 1 Prozent Effektivkosten im Jahr sowie ein freies Altersvorsorgedepot, das auch ELTIFs und Schuldverschreibungen bis Risikoklasse 5 zulässt und dessen Kosten ohne Zahl bleiben [24].
Einordnung: Bei diesem Modell kontrolliert kein Beteiligter sämtliche Bestandteile des Altersvorsorgeprodukts selbst: Depotführung, Technik und Fondsplattform liegen bei drei Unternehmen.
9. J.P. Morgan Asset Management und Unit Plus: Portfolio aus aktiven ETFs
Eine Kooperation besteht zwischen J.P. Morgan Asset Management und der Berliner digitalen Asset-Management-Plattform Unit Plus. Gemeinsam entwickeln die Unternehmen ein Portfolio für das Altersvorsorgedepot, das ausschließlich aus aktiven ETFs bestehen soll. Die strategische Zusammensetzung übernimmt das Multi-Asset-Solutions-Team von J.P. Morgan AM. Dabei soll auch die globale Expertise von Unit Plus einbezogen werden [2]. Auf der Seite von Unit Plus ist derzeit eine Warteliste zu finden; Kosten nennt sie nicht [24].
Das Portfolio soll breit diversifiziert an den internationalen Aktienmärkten investieren und eine Streuung über Regionen, Branchen und Unternehmen ermöglichen. Der geplante Start ist Januar 2027. Das Angebot soll ausdrücklich über bereits aktienaffine Anleger hinaus den Zugang zu kapitalmarktbasierten Altersvorsorgelösungen für eine breitere Bevölkerung ermöglichen [2].
Der Anleger wählt hier keine einzelnen Wertpapiere aus; angeboten wird ein professionell zusammengestelltes Portfolio. Mit MorgenFund (siehe Punkt 6) ist dies inzwischen die zweite Partnerschaft von J.P. Morgan AM in diesem Marktsegment.
10. Oddo BHF und Xaver: Die Infrastruktur im Hintergrund
Oddo BHF und Xaver verfolgen einen anderen Ansatz. Sie entwickeln keine einzelne Endkundenlösung, sondern eine digitale Plattform für White-Label-Altersvorsorgeprodukte. Adressiert werden unter anderem Banken, Versicherungen, unabhängige Finanzberater und Unternehmen außerhalb der Finanzbranche [1].
Die Plattform soll regulatorische und technische Prozesse bündeln und eine Integration in bestehende Vertriebs- und Kundenprozesse ermöglichen. Nach Angaben der Anbieter können über die Infrastruktur auch Standarddepots, Altersvorsorgedepots, Kinderdepots und die Frühstartrente abgebildet werden. Erste Partner sollen noch 2026 mit sogenannten Altersvorsorgedepot-Brückenprodukten starten; zum 1. Januar 2027 wechseln die Kunden dann mit wenigen Klicks in das regulierte Altersvorsorgedepot [1].
Das BCA Xaver Altersvorsorgedepot powered by Oddo BHF Asset Management steht Vertriebspartnern der BCA, der BfV Bank für Vermögen und der Carat Fonds Service zur Verfügung. Ab Oktober 2026 können Makler ihren Kunden ein Pre-Onboarding anbieten, die Verträge lassen sich ab Januar 2027 zeichnen. Das gesetzlich vorgeschriebene Standarddepot folgt einer vorgegebenen Anlagestrategie; die Variante Altersvorsorgedepot Premium bietet eine breitere Fondsauswahl in individuell zusammengestellten Portfolios und einen Lifecycle-Ansatz, der die Risikoquote an den Anlagehorizont anpasst. Die Premium-Depots sollen nicht nur Fonds von Oddo BHF enthalten. Zusätzlich will die BCA die Lösung für Versicherer, Finanzvertriebe und Maklerverbände öffnen, die sie unter eigener Marke anbieten können [1].
Einordnung: Die technische Infrastruktur wird hier selbst zum Geschäftsfeld des neuen Altersvorsorgemarktes. Helvetia nutzt sie bereits für ein eigenes Kundenangebot (siehe Punkt 27).
11. Scalable Capital: Das Altersvorsorgedepot zum Kampfpreis
Scalable Capital setzt auf einen konsequent digitalen und kostenorientierten Ansatz. Das Standarddepot soll ohne Gebühren für Konto, Depot, Sparpläne sowie einzelne Käufe und Verkäufe angeboten werden. Die Anleger sollen lediglich die laufenden Fondskosten tragen [1]. Für ausgewählte ETFs erstattet Scalable diese Kosten im Standarddepot nach eigenen Angaben bis mindestens zum 31. Dezember 2027; für die Zeit danach ist eine Obergrenze von 0,15 Prozent pro Jahr genannt [1][19][24]. Im Depot für Selbstentscheider gibt Scalable die Fondskosten ausgewählter ETFs dauerhaft zurück [19]. Käufe und Verkäufe kosten dort 0 Euro mit PRIME+ und 0,99 Euro im Tarif FREE [24].
Scalable richtet sich ausdrücklich an bestehende Riester-Sparer und plant einen Wechselservice. Eine Beitragsgarantie ist nicht vorgesehen [1].
Einordnung: Scalable könnte den Preisdruck im Markt erhöhen. Welche endgültigen Konditionen mit der Zertifizierung und dem offiziellen Preisverzeichnis zum Start 2027 tatsächlich gelten, steht noch aus. Smartbroker, Quirion, Deka, flatexdegiro, die Deutsche Bank und Trade Republic haben mit eigenen Preisangeboten nachgezogen (siehe Punkte 18 bis 22 und 24).
12. Sunrise App: Altersvorsorge aus der Investment-App
Die Sunrise App beschäftigt sich bereits seit mehreren Jahren mit privater Altersvorsorge. Die neue Plattform soll unter anderem einen Altersvorsorgerechner bereitstellen, mit dem Nutzer Förderung und mögliche Entwicklung des Vorsorgevermögens berechnen können. Im Mittelpunkt der Anlagestrategie steht der eigene Standortfonds Deutschland (ISIN AT0000A1Z882), der einen Schwerpunkt auf den deutschen Wirtschaftsraum legt. Hinter Sunrise stehen Gründer Thomas Niss sowie die Partner Deutsche Bank, Deka/IQAM Invest und Raiffeisen Bank International [1].
Depotführung und Transaktionen kosten bei Sunrise nach der Anbieterseite nichts, die Fondskosten liegen unter einem Prozent pro Jahr; Effektivkosten nennt die Seite nicht. Als Start gibt Sunrise Januar 2027 an [24].
13. Union Investment: Drei Produkte unter „Uni Vorsorge“
Union Investment plant unter dem Namen Uni Vorsorge drei Produkte. Diese sollen ab 2027 exklusiv über die genossenschaftlichen Banken vertrieben werden. Einen Ausgabeaufschlag soll es bei keinem der Produkte geben [1]. Die Produkte heißen UniVorsorge Basis, UniVorsorge Pro und UniVorsorge Garantie [24].
Das Standardprodukt soll auf aktiven ETFs basieren. Union legt dafür gemeinsam mit der Tochter Quoniam voraussichtlich im Herbst einen globalen Aktien-ETF und einen Euro-Renten-ETF auf. Die Einzahlungen fließen zunächst vollständig in den Aktienfonds; ohne Eingriff sinkt der Aktienanteil wie gesetzlich vorgegeben fünf Jahre vor Ende der Ansparphase auf 50 und zwei Jahre vorher auf 30 Prozent. Anleger können die Gewichtung aber selbst festlegen [1].
Hinzu kommen zwei Varianten eines aktiv gemanagten Fondsprodukts, eine ohne und eine mit Garantie. Beim ungegarantierten Produkt soll zunächst ein weltweit investierender Aktienfonds im Mittelpunkt stehen. Gegen Ende der Ansparphase ist eine schrittweise Umschichtung in einen europäischen Rentenfonds vorgesehen. Bei der Garantievariante soll dagegen ein CPPI-Ansatz zur Absicherung eingesetzt werden [1].
Für das Standarddepot sind 0,55 Prozent Gesamtkosten pro Jahr genannt, dazu kommen Transaktionskosten innerhalb der Fonds; die teuersten Produkte sollen höchstens rund 1 Prozent zuzüglich Transaktionskosten kosten [1]. Auf der eigenen Seite kündigt Union konkrete Preise für einen späteren Zeitpunkt an [24].
Einordnung: Union Investment gilt als größter Riester-Anbieter des Landes und bündelt aktives Fondsmanagement, ETF-Lösungen und Garantievarianten in einer Produktfamilie [17]. Für Riester-Sparer gibt es allein bei Union fünf Möglichkeiten, den Vertrag anzupassen; Jochen Wiesbach von Union Investment rät dringend zum Beratungsgespräch [17].
14. Universal Investment, Baader Bank und Smartbroker: Ein modularer Baukasten
Universal Investment, Baader Bank und Smartbroker setzen ebenfalls auf eine arbeitsteilige Plattformlösung. Universal Investment will keine eigenen Altersvorsorgeverträge anbieten, sondern Fondsinitiatoren und Asset Manager bei der Strukturierung geeigneter Fonds- und ETF-Lösungen unterstützen. Die Baader Bank übernimmt die Depot- und vertragsbezogenen Kernfunktionen einschließlich Depotführung, Handelsabwicklung und Förderlogik. Smartbroker stellt den digitalen Zugang zum Endkunden bereit [1].
15. Telekom: Wird der Arbeitgeber zum Anbieter?
Die Deutsche Telekom soll über ihre Tochter Telekom Finance ein eigenes Altersvorsorgedepot für ihre Mitarbeiter aufbauen. Das Angebot soll den Namen Magenta Finance tragen [3].
Die Lösung soll zunächst ausschließlich Mitarbeitern angeboten werden. Als technische Plattform soll das Kölner Fintech Xaver dienen; als Kosten werden 0,06 Prozent zuzüglich Fondskosten genannt [3].
Die Telekom hat eine Anfrage zu dem Modell nach dem Bericht nicht beantwortet. Die Angaben sind daher keine offiziell bestätigte Produktankündigung des Unternehmens [3].
Einordnung: Setzt die Telekom das Modell um, böte der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern neben der klassischen betrieblichen Altersversorgung einen direkten Zugang zu einem kapitalmarktbasierten Altersvorsorgedepot. Daraus könnte langfristig ein weiterer Vertriebsweg entstehen.
16. FNZ Bank: Eine weitere Depotbank bereitet Infrastruktur für Vertriebspartner vor
Die FNZ Bank ist eine auf B2B-Depotlösungen spezialisierte Vollbank mit Sitz in München. Nach eigenen Angaben ist sie Full-Service-Partner für Finanzvertriebe, Versicherungen, Banken, Vermögensverwalter, Kapitalverwaltungsgesellschaften und FinTechs in Europa, verwaltet rund 155 Milliarden Euro für etwa 400 Kooperationspartner und bietet bereits heute mehrere Depotmodelle für unterschiedliche Anwendungsfälle an [5].
Wie andere Infrastrukturanbieter auch bereitet die FNZ Bank eine Lösung vor, mit der ihre Vertriebspartner künftig ein Altersvorsorgedepot unter eigener Marke anbieten können sollen. Produktnamen, Kostenmodelle und ein Starttermin sind bislang nicht öffentlich bekannt [5].
Redaktioneller Hinweis: Die Darstellung stützt sich auf allgemeine Unternehmensangaben der FNZ Bank [5]. Der Abschnitt wird aktualisiert, sobald eine offizielle Ankündigung vorliegt.
Einordnung: Der Wettbewerb um das Altersvorsorgedepot findet damit auch auf der Ebene der Depotbanken statt, die im Hintergrund für zahlreiche Vertriebspartner die technische Basis stellen.
17. Sutor Bank: Wenn Anbietern die eigene Infrastruktur fehlt
Nicht jeder, der ein Altersvorsorgedepot anbieten will, verfügt bereits über die dafür nötige technische und operative Basis. Hier positioniert sich die Hamburger Sutor Bank. Die Privatbank tritt selbst nicht als Endkundenmarke an. Sie baut ihre bestehende Investment-as-a-Service-Plattform zu einer Komplettlösung für das Altersvorsorgedepot aus, für private und optional auch für staatliche Anbieter [7][8].
In Gesprächen mit Asset Managern, Vermögensverwaltern, Banken, Neobrokern und weiteren Marktteilnehmern hat die Sutor Bank nach eigener Schilderung ein wiederkehrendes Muster festgestellt: Zahlreichen Häusern fehlen einzelne Prozesselemente für den Betrieb eines Altersvorsorgedepots [7]. Als besonders anspruchsvoll gelten nach Darstellung der Bank das Zulagenmanagement und die dafür notwendigen Schnittstellen zur Zentralen Zulagenstelle, zumal ein pünktlicher Start zum 1. Januar 2027 wenig Zeit lässt. Auch Teams für Sachbearbeitung und Kundenservice fehlten vielen Häusern [7].
Das Angebot der Sutor Bank ist modular aufgebaut und richtet sich an zwei Partnertypen. Selbst zertifizierte Anbieter können die Infrastruktur der Bank punktuell nutzen, etwa allein für das Zulagenmanagement, und behalten dabei eigenes Produktdesign, Branding und Kundenbetreuung. White-Label-Partner benötigen dagegen keine eigene Erlaubnis: Die Sutor Bank tritt in diesem Fall selbst als Produktanbieter auf, führt das Altersvorsorgedepot und bestückt es wahlweise mit eigenen Fonds oder mit den Fonds des Partners. Das Frontend kann entweder von der Sutor Bank bereitgestellt oder individuell vom Partner gestaltet werden [7][8].
Ihre Erfahrung mit geförderter Vorsorge begründet die Bank mit einer langen Historie: Das Zulagenmanagement betreibt sie seit 15 Jahren im laufenden Betrieb, die Anbindung an die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen besteht bereits seit dem Start der Riester-Rente im Jahr 2002. Nach eigenen Angaben verwaltet die Sutor Bank aktuell mehr als 50.000 geförderte Riester- und Rürup-Verträge und zählt über 500.000 Kunden auf ihrer Plattform [8].
Einordnung: Die Sutor Bank hat zwei Rollen. Im Selbst-Anbieter-Modell bleibt sie Infrastrukturdienstleister im Hintergrund, ähnlich wie Oddo BHF/Xaver oder die Depotbank FNZ, und der Partner bleibt Vertragspartner der Endkunden. Im White-Label-Modell wird die Sutor Bank nach eigener Darstellung selbst zum Produktanbieter und schließt den Vertrag direkt mit dem Endkunden; der Partner steuert in diesem Fall vor allem Branding und Frontend bei [7][8]. Für den eigenständigen Aufbau einer vergleichbaren Infrastruktur nennt die Bank eine Vorlaufzeit von sechs bis neun Monaten [7][8]. Wer sich erst kurz vor dem Stichtag 1. Januar 2027 für eine eigene Lösung entscheidet, dürfte diesen Zeitrahmen kaum noch einhalten; einzelne der in diesem Überblick genannten Starttermine könnten sich daher verschieben.
18. Smartbroker: Standarddepot mit drei Weltindizes zur Wahl
Der Berliner Neobroker Smartbroker hat seine Konditionen am 8. September festgelegt [9][24]. Beim Standarddepot kostet das Depot nichts; Sparpläne, Käufe und Verkäufe sind gebührenfrei, es fallen nur marktübliche Spreads an. Die laufenden Kosten der ETFs erstattet Smartbroker in den ersten drei Jahren vollständig, nach Angaben des Unternehmens bis zu einem Anlagevolumen von 25.000 Euro [9][24].
Ab dem vierten Jahr setzt eine weitere Erstattung mindestens 15 Trades pro Kalenderjahr im regulären Smartbroker-Hauptdepot voraus; Sparpläne zählen dafür nicht. Smartbroker behält sich vor, die Aktion vorzeitig zu beenden [24]. Ohne Erstattung fallen die ETF-Kosten an, überwiegend unter 0,15 Prozent pro Jahr [9][24]. Das Standarddepot besteht aus einem risikoarmen Fonds und einem ETF, der als MSCI World, MSCI ACWI oder FTSE All-World wählbar ist; der ETF-Anteil sinkt fünf Jahre vor der Auszahlphase auf höchstens 50 und zwei Jahre vorher auf höchstens 30 Prozent [24].
Ein freies Altersvorsorgedepot aus dem gesetzlich zulässigen Anlageuniversum gibt es ebenfalls. Depot und Sparpläne kosten nichts, Einmalorders über den Handelsplatz gettex sind ab 500 Euro Ordervolumen gebührenfrei, darunter kostet jede Order einen Euro. Die ETF-Kosten erstattet Smartbroker dort nicht [24]. Der Start ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen, eine Vormerkung ist schon möglich [24].
Einordnung: Smartbroker konkurriert preislich direkt mit Scalable Capital, koppelt die dauerhafte Kostenerstattung aber an die Handelsaktivität im Hauptdepot; das belohnt aktive Trader stärker als reine Vorsorgesparer. Wer ohnehin ETF-Sparpläne im freien Depot führt, kann im Vergleich ETF-Depot und Altersvorsorgedepot prüfen, was die Förderung gegenüber dem normalen Sparplan ausmacht. Im neuen Markt tritt Smartbroker in zwei Rollen auf: mit einem eigenständigen Angebot unter eigener Marke und als technischer Partner für den digitalen Kundenzugang im Konsortium aus Universal Investment, Baader Bank und Smartbroker (siehe Punkt 14).
19. Quirion und Vanguard: Digitale Vermögensverwaltung mit zwei ETFs
Auch der digitale Vermögensverwalter Quirion, eine Tochter der Quirin Privatbank, hat sich für den Vorsorgemarkt in Stellung gebracht. Dafür ist das Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit dem US-Vermögensverwalter Vanguard eingegangen. Das Standarddepot besteht aus zwei Vanguard-ETFs: dem Vanguard FTSE Global All-Cap ETF mit laufenden Kosten von 0,07 Prozent und dem Vanguard Global Aggregate Bond Euro Hedged ETF mit 0,08 Prozent. Vor dem Eintritt in die Auszahlungsphase wird das Kapital schrittweise in den risikoärmeren Fonds umgeschichtet [1].
Zum Start berechnet Quirion keine Depotgebühr und erstattet die ETF-Kosten mindestens für das erste Jahr. Kosten für die Zeit danach und für die Variante Pro will das Unternehmen vor dem Start bekanntgeben [24]. Zusätzliche Kosten für den Service der Vermögensverwaltung nennt Quirion bislang nicht [1]. Zum Angebot gehören ein automatisches Rebalancing, eine persönliche Kundenbetreuung und die unternehmenseigene Finanz-KI Quirion.ai. Abschlussgebühren und Provisionen sollen nicht anfallen [9].
Einordnung: Quirion verbindet Vanguards ETFs mit dem Beratungsanspruch eines digitalen Vermögensverwalters und liegt damit zwischen reinem Selbstentscheider-Depot und vollständig gemanagter Lösung.
20. Deka: Niedrige Effektivkosten aus dem Sparkassen-Verbund
Die Deka, das Wertpapierhaus der Sparkassen, hat als Reaktion auf die Angebote von Scalable Capital, Quirion und Smartbroker eigene Konditionen für ihr Altersvorsorgedepot offengelegt. Für das Standardangebot Deka-Vorsorge sollen die Effektivkosten nach Unternehmensangaben lediglich 0,1 Prozent pro Jahr betragen. Das Angebot soll ab Januar 2027 in allen Sparkassen vor Ort und digital über die Sparkassen-App verfügbar sein [10].
Depot- und Zulagenverwaltung sollen in beiden Varianten kostenlos bleiben, die genannten 0,1 Prozent fallen ausschließlich für die zugrunde liegenden ETFs an: einen weltweit investierenden Aktienfonds sowie einen europäischen Rentenfonds. In der klassischen Variante fließt das Geld zunächst vollständig in den Aktien-ETF. Fünf Jahre vor dem geplanten Rentenbeginn sinkt der Aktienanteil auf 50 Prozent, der Rest geht in europäische Unternehmensanleihen; zwei Jahre vor Rentenbeginn senkt die Deka den Aktienanteil um weitere 20 Prozent [1]. In der individuellen Variante des Standarddepots können Kunden zu gleichen Konditionen den Aktienanteil während der gesamten Ansparzeit kostenlos in Eigenregie über die Sparkassen-App anpassen [10].
Als Individualprodukt kommt Deka-VorsorgePlus hinzu, ein individuell verwaltetes Altersvorsorgedepot aus bis zu drei aktiv gemanagten Fonds, das entlang eines Lebenszyklusmodells fortlaufend gesteuert wird: In jungen Jahren wird vollständig in Aktien investiert, zur Rente hin sukzessive in Anleihen- und zuletzt in Geldmarktfonds umgeschichtet. Zwei Ausprägungen sind vorgesehen: ein chancenorientiertes Modell, das den Aktienanteil später reduziert als ein balanceorientiertes Modell. Die Effektivkosten dieses Individualprodukts beziffert die Deka je nach Vertragslaufzeit auf 1,0 bis 1,5 Prozent pro Jahr [10][24]. Flankierend will die Deka für Kinder und Jugendliche auch die Frühstartrente anbieten, ebenfalls zu 0,1 Prozent [1]. Wie sich die Frühstartrente für ein Kind entwickeln kann, zeigt der Frühstartrenten-Rechner.
Alle Konditionen stehen noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Finanzaufsicht BaFin, die für November erwartet wird [10]. Die Deka weist selbst darauf hin, dass ihre Kostendarstellung nicht dem vorgeschriebenen Kostenausweis entspricht; ein regelkonformer Ausweis folgt vor der Order [24].
Einordnung: Mit 0,1 Prozent Effektivkosten beim Standardprodukt unterbietet die Deka die ursprünglichen Angebote von Scalable, Smartbroker und Quirion und bringt ein bundesweites Filialnetz sowie die Sparkassen-App als Vertriebskanal mit, den reine Digitalanbieter nicht haben.
21. Flatexdegiro: Ein Neobroker unterbietet den Markt noch einmal
Die Handelsplattform flatexdegiro startet ins Geschäft mit dem Altersvorsorgedepot. Drei Modelle sind geplant: Standarddepot Core, Standarddepot Plus und ein frei gestaltbares Altersvorsorgedepot Flex [11]. Als Starttermin nennt flatexdegiro aktuell den 1. Januar 2027; Details könnten sich bis dahin ändern [24].
Beim Standarddepot Core entfallen Depot- und Vertragsgebühren dauerhaft. Orderprovisionen für Sparpläne und Einmalanlagen fallen ebenfalls nicht an. Nach eigenen Angaben erstattet flatexdegiro mindestens fünf Jahre lang die Produktkosten der eingesetzten ETFs. Marktübliche Spreadkosten beim Wertpapierhandel bleiben davon unberührt. Ab dem sechsten Jahr sollen die Effektivkosten maximal 0,07 Prozent pro Jahr betragen [11].
Das Standarddepot Plus setzt auf zwei Bausteine: einen global gestreuten Aktienanteil und einen defensiveren Baustein aus Euro-Anleihen und Gold. Beim Altersvorsorgedepot Flex stellen Anleger ihr Portfolio selbst zusammen. Zur Wahl stehen geeignete ETFs und Fonds, kombinierbar in bis zu 25 Produkten [11]. Die Konditionen für Plus und Flex will flatexdegiro erst rechtzeitig vor dem Start nennen [24].
Einordnung: Mit maximal 0,07 Prozent Effektivkosten ab Jahr sechs unterbietet flatexdegiro die bislang günstigste Offerte der Deka mit 0,1 Prozent. In den ersten fünf Jahren liegen die Produktkosten bei null. Welche Bedingungen für die Kostenerstattung im Detail gelten, ist beim Anbieter vor Vertragsabschluss zu klären.
22. Deutsche Bank: Digitales Standarddepot der DWS, Beratungsdepot und Zurich-Lösungen
Am 28. September 2026 hat die Deutsche Bank ihre Pläne für den Start am 1. Januar 2027 vorgestellt. Sie setzt auf drei Bausteine: ein ausschließlich digitales Standarddepot, das die Fondstochter DWS entwickelt, ein beratungsbasiertes DWS-Depot mit größerer Produktauswahl und gemeinsam mit der Zurich entwickelte Versicherungslösungen [12][14]. Die Postbank führt dieselben Zahlen auf ihrer Produktseite [24].
Das Standarddepot soll in den ersten zwei Jahren 0,10 Prozent pro Jahr kosten. Nach Angaben der Bank sind das allein die Kosten der ETFs, die reguläre Vertragsgebühr von 0,18 Prozent entfällt in dieser Zeit. Ab dem dritten Jahr beträgt das reguläre Entgelt 0,28 Prozent pro Jahr [12]. Der Startpreis entspricht den 0,1 Prozent Effektivkosten, die die Deka für ihr Standardprodukt nennt (siehe Punkt 20).
Wer persönliche Beratung möchte, zahlt mehr. Das beratungsbasierte DWS-Angebot soll 0,99 Prozent pro Jahr kosten, mögliche Transaktionskosten kommen hinzu. Nach Angaben der Bank folgt es erst nach dem Marktstart [12]; die Produktseite der Postbank nennt dafür den Lauf des Jahres 2027 [24]. Erhältlich sein soll es über die persönliche Beratung bei Deutscher Bank und Postbank [12].
Die Zurich-Lösungen sollen mit und ohne Garantien angeboten werden und eine lebenslange Rente vorsehen [12]. Zahl, Kosten und Konditionen dieser Produkte sowie ihr Zertifizierungsstatus sind vor Vertragsabschluss mit der Deutschen Bank zu klären.
Bestehende Riester-Verträge sollten Kunden nach Ansicht der Bank nicht vorschnell auflösen oder übertragen. Ob ein Wechsel sinnvoll ist, hänge von Vertragsbedingungen, Garantien und persönlichen Vorsorgezielen ab [12]. Die Bank begründet das breite Angebot mit der Wahlfreiheit: Kunden sollen gerade keine Einheitslösung vorgesetzt bekommen [12].
Einordnung: Die Deutsche Bank steigt beim digitalen Standarddepot auf Neobroker-Niveau ein und trennt Beratung und Digitalangebot deutlich: Zum Start stehen 0,10 Prozent gegen 0,99 Prozent im Beratungsdepot, nach den zwei Startjahren 0,28 gegen 0,99 Prozent. Die Kosten der Zurich-Lösungen sind offen. Wie stark Kostenunterschiede dieser Größe die Extra-Rente verschieben, rechnet der Beitrag Kosten, Beratung und Produkt an Modellfällen vor.
23. Franklin Templeton und Ginmon: apeiron Wealth als Plattform für Vertriebe und Banken
Am 17. September 2026 hat Franklin Templeton eine dritte Partnerschaft für den Altersvorsorgedepot-Markt vorgestellt, nach Finanzguru und MorgenFund. Der Partner heißt Ginmon, die Plattform apeiron Wealth. Finanzvertriebe mit eigener Beraterschaft, Maklerpools, Haftungsdächer, mittelgroße Versicherer sowie kleine und mittelgroße Banken mit Beratungsgeschäft sollen darüber ein Altersvorsorgedepot unter eigener Marke anbieten können. Einsatzbereit soll die Plattform zum 1. Januar 2027 sein [15].
Die Aufgaben sind getrennt. Franklin Templeton liefert die Investmentarchitektur samt strategischer Asset Allocation, aktive und indexbasierte Bausteine, lebenszyklusorientierte Konzepte und Modellportfolios; dazu kommen Schulungen und Kommunikationsmaterial für Berater. Ginmon stellt die Technik bereit: digitales Onboarding, Berater- und Kundenverwaltung, Portfoliomanagement, Reporting, Gebührenabrechnung und die Anbindung an Depot und Wertpapierabwicklung, jeweils im Markenauftritt des Partners [15].
Franklin Templeton argumentiert, der Wettbewerb entscheide sich nicht im Produktregal, sondern an der Kundenschnittstelle [16]. Ginmon sieht im Januar 2027 den Zeitpunkt, an dem sich klärt, wer die geförderten Vorsorgekunden der nächsten drei Jahrzehnte betreut [15]. Exklusiv ist die Bindung nicht: MorgenFund hat im September J.P. Morgan Asset Management als weiteren Investmentpartner gewonnen (siehe Punkt 6).
Kosten und Konditionen für Endkunden sowie Vertragspartner und Depotbank der Partnerlösungen sind vor Vertragsabschluss mit dem jeweiligen Vertriebspartner zu klären.
Einordnung: Franklin Templeton will kein eigenes Depot direkt an Endkunden vertreiben und erreicht den Markt deshalb über Partner [16]. Mit Finanzguru für den digitalen Zugang, MorgenFund als regulierter Plattform und apeiron Wealth für Vertriebe mit eigener Marke deckt das Haus jetzt drei Zugangswege ab. Wie Zuständigkeiten und Haftung zwischen Plattform und Vertriebspartner verteilt sind, ist vor einer Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Anbieter zu klären.
24. Trade Republic: Kostenlos für Depot und ausgewählte ETFs
Trade Republic bietet sein Altersvorsorgedepot nach eigenen Angaben in einer komplett kostenlosen Variante an. Es fallen keine laufenden Depotgebühren an, die Ausführung von Sparplänen kostet nichts, und bei mehreren Dutzend ausgewählten Indexfonds von BlackRock, DWS und Vanguard entfallen auch die laufenden Fondskosten [19][24]. Das betrifft mehr als 50 ETFs, deren Gebühr meist bei bis zu 0,2 Prozent liegt [19]. Bei anderen ETFs und bei aktiven Fonds, die der Neobroker bald erstmals anbieten will, bleibt die Gebühr bestehen [19].
Die eingesparten Fondskosten legt Trade Republic monatlich wieder für die Kunden an; ein ähnliches Modell nutzt das Unternehmen bereits bei seinen Kinderdepots. Das Gratis-Modell soll für das Standarddepot und für die Selbstentscheider-Variante gelten, eine Befristung gibt es laut Bericht nicht [19]. Mitgründer Christian Hecker verweist auf eine eigene Handelsinfrastruktur und vergleichsweise niedrige Einkaufskosten. Mit dem Altersvorsorgedepot verdiene das Unternehmen nach seiner Aussage kein Geld, verliere aber auch keines [19].
Beim Wettbewerber Scalable sind die Fondskosten im Standarddepot nach dem Bericht nur im ersten Jahr garantiert erstattet, danach können bis zu 0,15 Prozent im Jahr anfallen, und die Gutschrift erfolgt quartalsweise statt monatlich [19]. Scalable selbst nennt für ausgewählte ETFs eine Erstattung bis mindestens Ende 2027 (siehe Punkt 11). Ob sich so niedrige Preise dauerhaft halten lassen, ist umstritten; Hecker nennt das Gratis-Modell ein langfristiges Versprechen [19]. Auf seiner Produktseite nennt Trade Republic weder Kosten noch einen Starttermin; die Angaben stammen aus einer Pressemitteilung des Unternehmens [24].
Einordnung: Wer über die kostenlose ETF-Auswahl hinausgeht, zahlt die Gebühr des gewählten ETFs oder Fonds. Welche ETFs zur kostenlosen Auswahl zählen, nennt die Pressemitteilung nicht; das lässt sich erst vor Vertragsabschluss prüfen.
25. DWS: Gesamtkosten von 0,44 bis 1,54 Prozent je nach Variante
Die DWS plant ihr Standardprodukt in drei Varianten: mit aktiven Fonds, mit passiven ETFs und mit aktiven ETFs. Dazu kommen die Modelle DWS Vorsorgedepot Select und Comfort. Select bietet nach Angaben von Björn Deyer, Leiter Altersvorsorge, Zugriff auf mehr als 110 Fonds und Xtrackers-ETFs, auf Wunsch mit automatischem Rebalancing. Comfort ist als Paket mit individuellem Lebenszyklusansatz angelegt [17].
Beim Preis sind für das günstigste Produkt, einen passiven ETF, voraussichtlich 0,44 Prozent Gesamtkosten im Jahr einschließlich Transaktionskosten genannt. Der aktive ETF soll mit 0,77 Prozent so viel kosten wie der aktive Fonds des Hauses; die teuersten Modelle erreichen bis zu 1,54 Prozent [1]. Die Deutsche Bank und die Postbank bieten ein DWS-Standarddepot zu eigenen Konditionen an (siehe Punkt 22). Auf den eigenen DWS-Seiten standen am 19. Oktober weder Produktnamen noch Gesamtkosten; sie sprechen nur vom Altersvorsorgedepot allgemein und bieten eine Vormerkliste an [24].
Einordnung: Die DWS-Zahlen schließen Transaktionskosten ein. Ob die Prozentangaben anderer Anbieter das ebenfalls tun, nennen viele Quellen nicht; ein Vergleich über die Spalten hinweg verlangt deshalb Vorsicht.
26. Cosmos Direkt und Prisma Life: Zwei Versicherer, zwei Wege
Der Generali-Direktversicherer Cosmos Direkt will zum 1. Januar 2027 ein Standarddepot anbieten, das eine Kapitalmarktanlage mit Elementen einer Versicherung verbindet, etwa der Option auf eine lebenslange Rente [18]. Zu den Kosten sagt das Unternehmen nur, die Effektivkosten sollen deutlich unter dem gesetzlichen Höchstwert von 1,0 Prozent liegen; eine Prozentzahl nennt es nicht [18]. Abschluss und Verwaltung laufen vollständig digital, bei Bedarf mit persönlicher Beratung. Vor dem Ruhestand schichtet das Produkt schrittweise um; für die Auszahlung stehen ein Auszahlplan, eine lebenslange Rente oder eine Kombination bereit. Welche Fonds zum Einsatz kommen, gibt Cosmos Direkt noch nicht bekannt [18].
Prisma Life aus Liechtenstein geht den umgekehrten Weg und verzichtet vollständig auf Beitragsgarantien. Das Produkt Prisma FlexInvest FörderPlus bietet rund 140 ETFs und aktiv gemanagte Fonds, bis zu 35 davon lassen sich gleichzeitig im Depot halten. Bestandsprovisionen für gemanagte Fonds gibt Prisma Life nach eigenen Angaben vollständig an die Kunden weiter. Kosten des Produkts nennt das Unternehmen bislang nicht [20][24]. Ein günstiges Standarddepot kommt in Zusammenarbeit mit BarmeniaGothaer; daneben sollen erweiterte Varianten mit persönlicher Beratung folgen [20]. Für Vermittler gibt es einen Fondsauswahl-Tool, einen Förderrechner und eine Angebotssoftware; als neue Zielgruppe nennt Prisma Life unter anderem Selbstständige, die erstmals gefördert sparen können [20].
Einordnung: Beide arbeiten mit Versicherungsstrukturen, stehen aber an entgegengesetzten Enden: Cosmos Direkt mit dem gesetzlichen Standardprodukt samt Rentenoption, Prisma Life mit freier Fondsauswahl ohne Garantie. Prisma-Life-Chef Stefan Opel begründet den Verzicht damit, dass eine hundertprozentige Beitragsgarantie die Ertragsmöglichkeiten deutlich begrenze und die Inflation Ersparnisse häufig aufzehre [20].
27. Helvetia: Startdepot vor dem Förderstart
Helvetia startet bereits vor dem 1. Januar 2027 eine digitale Altersvorsorgeplattform. Für die Investmentlösung kooperiert der Versicherer mit Oddo BHF Asset Management und der Xaver Group [21]. In das sogenannte Startdepot lässt sich schon jetzt einzahlen, gefördert wird es noch nicht; zum 1. Januar 2027 soll es per Klick in ein gefördertes Altersvorsorgedepot überführt werden können [1][21]. Dafür sind zwei Lösungen vorgesehen: AVD Standard, ETF-basiert, und AVD Premium mit Portfolios aus aktiven Fonds und ETFs, laufender Überwachung und Rebalancing [1]. Für Vermittler plant Helvetia hybride und volldigitale Abschlussstrecken sowie KI-gestützte Vertriebsunterstützung [1].
Zum Start des Altersvorsorgedepots kommt zusätzlich das Best Invest Altersvorsorgedepot, eine fondsgebundene Rentenversicherung [1]. Das bestehende Produkt dieses Namens wirbt mit einem Kostendeckel, der greift, wenn der Vertragswert das 1,5-Fache der eingezahlten Beiträge übersteigt. Ob er für die neue Variante in gleicher Form gilt, lässt Helvetia offen [21].
Einordnung: Helvetia öffnet zwei Wege, Plattform jetzt und Versicherungslösung ab 2027, und lässt Kunden und Vertriebspartner je nach Ziel wählen [21]. Weil das Altersvorsorgedepot ohne Garantie auskommt, tragen Kunden ein Kapitalmarktrisiko; bei Produktauswahl und Dokumentation fällt das stärker ins Gewicht als bei der Riester-Rente [21].
28. BarmeniaGothaer: Alle drei Produktkategorien aus einer Hand
BarmeniaGothaer startet im Januar 2027 mit allen drei Varianten, die das Altersvorsorgereformgesetz vorsieht. Beim Altersvorsorgedepot Premium übernehmen Vermögensverwalter die Anlageentscheidungen und passen das Depot laufend an; je nach Anlagehorizont und Risikobereitschaft stehen fünf unterschiedlich ausgerichtete Varianten zur Wahl. Die FörderPlus GarantieRente Invest verbindet Kapitalmarktanlage mit einer Beitragsgarantie von 80 Prozent und zahlt im Alter lebenslang eine Rente. Sie war schon vor der Reform am Markt und wird künftig zusätzlich als gefördertes Altersvorsorgedepot angeboten. Das Standarddepot legt das Kapital in zwei breit gestreute Vanguard-ETFs an; der Abschluss läuft vollständig digital [23].
Kosten nennt BarmeniaGothaer für keines der drei Produkte [24]. Vorstand Frank Lamsfuß hält die Produktvielfalt für beratungsintensiv und rät vor allem Riester-Kunden, ihre bisherige Strategie zu prüfen [23]. Ob sich der Wechsel aus einem bestehenden Vertrag rechnet, lässt sich im Fördervergleich Riester gegen Altersvorsorgedepot mit eigenen Annahmen durchspielen.
29. Sauren: Ein Multi-Asset-Fonds als Baustein
Sauren hat am 7. September 2026 den Sauren Altersvorsorgefonds aufgelegt, einen Multi-Asset-Fonds für Einmalanlagen und Sparpläne. Er folgt dem klassischen 60/40-Konzept: 60 Prozent offensive und 40 Prozent defensive Anlagebausteine. Nach Angaben von Vertriebsvorstand Ansgar Schraud soll der Fonds auch als Baustein im ab Januar 2027 verfügbaren Altersvorsorgedepot einsetzbar sein; für die Auszahlungsphase verweist Sauren auf den Sauren Ruhestandsfonds [1].
30. Weitere Anbieter: Start steht, Preise fehlen noch häufig
Commerzbank, comdirect, Consorsbank, DKB, HypoVereinsbank, ING, Targobank und N26 nennen auf ihren Seiten Januar 2027 oder den 1. Januar 2027 als Start, aber keine Gebühren für ihr Altersvorsorgedepot [24]. Commerzbank, HypoVereinsbank und Targobank verweisen auf die gesetzliche Grenze von höchstens 1 Prozent Effektivkosten für das Standarddepot; das ist ein Höchstwert, kein Preis. comdirect kündigt die Kosten rechtzeitig vor dem Start an und lockt Bestandskunden mit einer Early-Bird-Prämie von 50 Euro für die unverbindliche Registrierung. Die ING bietet Neukunden einen Startbonus, wenn sie sich bis zum 30. November 2026 in die Starteliste eintragen und bis zum 15. Februar 2027 ein Depot eröffnen. N26 macht den Start von der aufsichtsrechtlichen Zertifizierung abhängig [24].
Traders Place nennt für das Standarddepot und das allgemeine Altersvorsorgedepot 0 Euro Depotgebühr; beim allgemeinen Depot kosten Orders unter 500 Euro Volumen 0,95 Euro je Trade, darüber sind sie über gettex gebührenfrei [24]. Raisin, Oskar, Whitebox, Evergreen und Unit Plus nennen auf ihren Seiten den Start 2027 oder Januar 2027, aber keine Kosten; Oskar verweist auf den gesetzlichen Deckel von 1,0 Prozent, den es nach eigener Aussage deutlich unterschreitet. Evergreen nennt die Zertifizierung als noch ausstehend [24].
Bei den Versicherern führen R+V (AltersvorsorgeGarantie 80, AltersvorsorgeDepot individuell und AltersvorsorgeDepot standard), Provinzial, HUK-Coburg und die Württembergische ihre Pläne auf eigenen Seiten auf, ohne Preise. Die Württembergische nennt die Zertifizierung ebenfalls als ausstehend [24]. Produkt für Produkt, mit Seitenstand und Abrufdatum, führt der Anbieter-Monitor diese Angaben auf.
Wodurch sich die Produktstrategien unterscheiden
1. Aktiv gegen passiv
Bei den Investmentlösungen stehen sich unterschiedliche Philosophien gegenüber. Aktive ETFs und Fonds sollen durch aktive Titelauswahl beziehungsweise aktive Asset-Allokation einen Mehrwert gegenüber einem reinen Indexinvestment erzielen. Andere Anbieter setzen auf passive Indexfonds, um die laufenden Kosten möglichst niedrig zu halten. Fidelity bietet im Standardprodukt zwei eigene ETFs an und ergänzt es um die Vermögensverwaltung VorsorgeDepot Plus. J.P. Morgan AM und Unit Plus setzen dagegen ausschließlich auf aktive ETFs. Acatis kombiniert aktives Management mit einem KI-gestützten Auswahlprozess [1][4].
2. Selbst entscheiden oder professionell steuern lassen
Die Anbieter unterscheiden sich auch darin, wer die Anlageentscheidung trifft. Beim selbstbestimmten Depot entscheidet der Anleger selbst über seine Investments. Bei Modellportfolios oder gemanagten Lösungen übernimmt dagegen der Anbieter einen größeren Teil der Anlageentscheidung. Der Markt richtet sich damit an kapitalmarkterfahrene Anleger ebenso wie an Menschen, die ihre Altersvorsorge lieber professionell strukturieren lassen. Die Deutsche Bank stellt beide Wege nebeneinander: ein rein digitales Standarddepot und ein beratungsbasiertes Depot, das mit 0,99 Prozent pro Jahr deutlich mehr kostet (siehe Punkt 22) [12].
3. Garantie oder Renditeorientierung
Das neue System lässt unterschiedliche Sicherheitsniveaus zu. Das renditeorientierte Altersvorsorgedepot kommt ohne verpflichtende Beitragsgarantie aus. Daneben bleiben Garantievarianten mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie möglich [1]. Während Scalable vollständig auf eine Garantie verzichtet, planen Allianz, ERGO und Union Investment auch Lösungen mit Garantie. Die gemeinsam mit der Zurich entwickelten Lösungen der Deutschen Bank sollen ebenfalls mit und ohne Garantien angeboten werden [12].
4. Kosten werden zum Wettbewerbsfaktor
Bereits jetzt zeichnet sich ein deutlicher Preiswettbewerb ab. Scalable kündigt ein gebührenfreies Standarddepot an; die ETF-Kosten erstattet das Unternehmen dort nach eigenen Angaben bis mindestens Ende 2027, danach soll eine Obergrenze von 0,15 Prozent pro Jahr gelten [1][24]. Das Telekom-Modell soll sogar mit 0,06 Prozent zuzüglich Fondskosten kalkulieren [3]. Beim Vergleich reicht die Depotgebühr allein nicht aus: Zu betrachten sind alle laufenden und einmaligen Kosten des jeweiligen Gesamtkonzepts, insbesondere Fonds- beziehungsweise ETF-Kosten, Verwaltung, Depotführung und gegebenenfalls Kosten für zusätzliche Dienstleistungen.
Der Preiskampf hat sich seit August 2026 spürbar verschärft. Smartbroker und Quirion haben mit eigenen Standarddepot-Angeboten auf Scalable reagiert, beide nahezu kostenfrei in der Startphase [9]. Auf der anderen Seite meldet sich mit der Deka ein Anbieter aus dem etablierten Sparkassen-Verbund zu Wort: Sie will ihr Standardprodukt mit Effektivkosten von lediglich 0,1 Prozent pro Jahr anbieten, noch günstiger als die bisherigen Neobroker-Offerten [10]. Der gesetzliche Kostendeckel für das Standarddepot, wonach die Effektivkosten die durchschnittliche jährliche Rendite höchstens um einen Prozentpunkt mindern dürfen, wird von mehreren Anbietern bereits deutlich unterboten.
Kurz darauf legte der Neobroker flatexdegiro nach: Sein Standarddepot Core erstattet die Produktkosten mindestens fünf Jahre lang vollständig, danach sollen maximal 0,07 Prozent pro Jahr anfallen. Das unterbietet die Deka-Konditionen (siehe Punkt 21) [11].
Die Deutsche Bank hat Ende September mit zwei Jahren zu 0,10 Prozent und danach 0,28 Prozent pro Jahr nachgezogen (siehe Punkt 22) [12]. Beim Vergleich zählt deshalb auch, wie lange ein Startpreis gilt: Smartbroker erstattet die ETF-Kosten drei Jahre lang, flatexdegiro mindestens fünf Jahre, die Deutsche Bank hält ihren Preis zwei Jahre. Trade Republic nennt für sein kostenloses Modell keine Befristung (siehe Punkt 24) [19].
Viele Banken und Versicherer nennen bislang entweder keine Kosten oder nur die gesetzliche Obergrenze von einem Prozent für das Standarddepot. Ein Preis ist das nicht, denn die Grenze legt nur fest, was höchstens verlangt werden darf (siehe Punkt 30) [24]. Für Produkte wie das Deka-Standarddepot mit 0,1 Prozent, das flatexdegiro-Modell Core oder das Standarddepot von Deutscher Bank und Postbank lässt sich die Wirkung auf das Endkapital im Anbieter-Monitor direkt ausrechnen.
5. Der Finanzvertrieb erhält neue Möglichkeiten
Besonders viele Kooperationen sind auf den professionellen Vertrieb ausgerichtet. White-Label- und Platform-as-a-Service-Modelle sollen es Banken, Maklerpools, Finanzberatern und Vermögensverwaltern ermöglichen, eigene Altersvorsorgelösungen anzubieten, ohne sämtliche technischen und regulatorischen Prozesse selbst entwickeln zu müssen. Neben Oddo BHF/Xaver bereitet inzwischen auch die Depotbank FNZ eine solche Infrastrukturlösung für ihre Vertriebspartner vor. Mit apeiron Wealth von Ginmon kommt eine Plattform hinzu, die sich ausdrücklich an Finanzvertriebe, Maklerpools, Haftungsdächer, Versicherer und kleinere Banken richtet (siehe Punkt 23). Auch die Sutor Bank positioniert sich in diesem Feld: Anbieter können ihre Plattform wahlweise nur für das Zulagenmanagement oder für den kompletten Betrieb eines Altersvorsorgedepots nutzen. Damit könnte das Altersvorsorgedepot auch für unabhängige Finanzberater zu einem neuen Beratungsfeld werden.
6. Der Wettbewerb findet auch hinter den Kulissen statt
Nicht jeder Anbieter muss selbst Depotbank, Technologieanbieter, Asset Manager und Vertrieb sein. Die Kooperationen teilen die Aufgaben auf:
- Asset Manager: Investmentlösung
- Depotbank: Depotführung und Abwicklung
- Fintech: Technologie
- Plattform: regulatorische und administrative Prozesse
- Vertrieb: Kundenzugang und Beratung
Diese Modularisierung könnte dazu führen, dass in den kommenden Monaten noch zahlreiche weitere Anbieter und Kooperationen entstehen.
7. Eigenes Depot oder Zulieferer
Bevor es um Kosten geht, hat jedes Haus eine Grundsatzentscheidung getroffen: Baut es ein Depot für den Endkunden samt Zulagenverwaltung, Administration und Auszahlphase, oder liefert es nur Bausteine? Ein eigenes Endkundenangebot planen nach der Befragung von Anbietern unter anderem DWS, Fidelity, Union Investment, Commerzbank, comdirect, Deka, Trade Republic und Scalable Capital [17]. Flossbach von Storch stuft Zulagenverwaltung und Endkundenadministration nicht als Kernkompetenz ein und bleibt bei einem reinen B2B-Angebot. Vanguard betreibt kein eigenes Depot und kooperiert mit Banken, Versicherern und Brokern, BlackRock sieht sich als Produkt- und Lösungspartner, Acatis setzt auf B2B und White Label [17]. Fidelity will beides zugleich sein: Über die Plattform FFB mit mehr als 700.000 Kundendepots liefert das Haus eine Komplettlösung und einzelne Bausteine für Berater, Pools, Banken und Fintechs [17].
Auch zum Preisdeckel gehen die Meinungen auseinander. Die DWS fragt, ob es den Deckel überhaupt gebraucht hätte. Acatis hält ihn für ambitioniert, aber machbar und folgert, dass im Standarddepot kaum Spielraum für Vertriebsvergütung bleibt; das freie Depot könnte deshalb im beratungsintensiven Geschäft die größere Rolle spielen [17]. Die Aussagen stammen aus einer Anbieterbefragung mit Datenstand 26. August 2026; einzelne Preise haben sich seither geändert.
Was Anleger beim späteren Vergleich beachten sollten
Die Vielzahl der Modelle macht einen einfachen Vergleich über den Produktnamen praktisch unmöglich. Wer ein Altersvorsorgedepot abschließen möchte, sollte auf folgende Punkte achten:
- Anlageangebot: Welche ETFs, Fonds oder Wertpapiere können tatsächlich genutzt werden?
- Anlagestrategie: Entscheidet der Anleger selbst oder wird das Vermögen professionell gesteuert?
- Risiko: Wie hoch ist der Aktienanteil und wie wird er im Laufe der Ansparphase verändert?
- Garantie: Gibt es keine Garantie, eine 80-prozentige oder eine 100-prozentige Beitragsgarantie?
- Kosten: Wie hoch sind die Gesamtkosten über die gesamte Vertragslaufzeit, und wie lange gilt ein günstiger Startpreis?
- Flexibilität: Kann die Anlagestrategie verändert oder können andere Fonds beziehungsweise ETFs ausgewählt werden?
- Beratung: Ist das Produkt ausschließlich digital erhältlich oder steht auch eine persönliche Beratung zur Verfügung?
- Anbieterwechsel: Wie einfach lässt sich das Altersvorsorgedepot später zu einem anderen Anbieter übertragen?
Für die Punkte Kosten, Garantie und Förderung lässt sich die Wirkung beziffern: Der Fördervergleichsrechner bildet Eigenbeitrag, Zulagen, Steuerwirkung, Kosten und Garantiequote monatsgenau über die gesamte Ansparphase ab und rechnet die Auszahlungsphase mit. Wer zuerst wissen will, was ein Altersvorsorgedepot mit den eigenen Beiträgen bringt, beginnt mit dem Rechner Altersvorsorgedepot; ob ein ETF-Sparplan im normalen Depot dagegen mithalten kann, zeigt der Vergleich ETF-Depot und Altersvorsorgedepot.
Entscheidend ist, was hinter dem einzelnen Angebot steht: Anlagekonzept, Kostenstruktur, Flexibilität und Servicequalität, nicht die Werbung mit dem Begriff Altersvorsorgedepot. AVDEPOT.EXPERT aktualisiert diesen Marktüberblick, sobald neue belastbare Produktinformationen vorliegen.