Ins Altersvorsorgedepot zahlen Sparer über Jahrzehnte ein. In dieser Zeit können sich Job, Familiensituation und Wohnort ändern. Und am Ende steht die Frage, wer im Todesfall vom angesparten Vermögen profitiert. Ein Überblick über die wichtigsten Sonderfälle und darüber, wie lange die Vorsorge eigentlich reichen muss.

Jobverlust, Berufsunfähigkeit und Elternzeit: Der Vertrag läuft weiter

Bei Arbeitslosigkeit passiert zunächst nichts Dramatisches: Der Vertrag läuft weiter, das bereits angesparte Vermögen bleibt investiert. Sparer können ihre Beiträge in dieser Phase reduzieren, aussetzen oder normal fortführen. Der Anbieter darf das Depot nicht auflösen [2]. Wer während der Arbeitslosigkeit in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert bleibt, bleibt förderberechtigt. Damit die Grundzulage fließt (bei eigenen Kindern auch die Kinderzulage), müssen Betroffene allerdings selbst einen Mindestbeitrag von 120 Euro im Jahr einzahlen [2].

Bei Berufsunfähigkeit bleibt das Vermögen ebenfalls investiert. Im Normalfall kommen Sparer erst ab dem 65. Lebensjahr an ihr Geld, ohne die Förderung zu verlieren. Eine Ausnahme gilt für alle, die bereits eine Leistung aus einem gesetzlichen Alterssicherungssystem beziehen (etwa die Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung): Sie dürfen ab diesem Zeitpunkt auch auf das Altersvorsorgedepot zugreifen, ohne Zulagen oder Steuervorteile zurückzahlen zu müssen. Anders sieht es aus, wenn jemand ausschließlich eine private Berufsunfähigkeitsrente bezieht, ohne zugleich gesetzlich erwerbsgemindert zu sein: Dann gelten die regulären Fristen weiter, und ein früherer Zugriff wäre förderschädlich [2].

Für die Elternzeit gilt ein ähnliches Prinzip. Auch hier lässt sich die Rate kürzen oder aussetzen, ohne dass eine Förderlücke entsteht: Während der dreijährigen Kindererziehungszeit bleiben Mütter und Väter über die gesetzliche Rentenversicherung förderberechtigt, vorausgesetzt der Mindesteigenbeitrag von 120 Euro im Jahr für Grund- und Kinderzulage fließt weiter [2].

Scheidung: Das Depot fällt unter den Versorgungsausgleich

Wie andere Altersvorsorgeverträge unterliegt auch das Altersvorsorgedepot dem Versorgungsausgleich. Der während der Ehe angesparte Teil wird hälftig geteilt: entweder über ein eigenes, neu eingerichtetes Depot für den ausgleichsberechtigten Partner (interne Teilung) oder durch Übertragung auf ein bereits bestehendes Depot (externe Teilung) [2].

Die Kinderzulage gibt es für jedes Kind, für das Kindergeld festgesetzt wird. Bei verheirateten Eltern gilt für 2027 noch die bisherige Zuordnung: Die Zulage geht an die Mutter, auf gemeinsamen Antrag beider Eltern an den Vater [6]. Ab 2028 gehört sie dem Elternteil, für den das Kindergeld festgesetzt wird; übereinstimmende Erklärungen beider Eltern können sie dem anderen Elternteil zuordnen, solange die Eheleute nicht dauernd getrennt leben [2], [6]. Beziehen nach einer Trennung verschiedene Elternteile im selben Jahr Kindergeld für das Kind, steht die Zulage dem zu, für den im Jahr zuletzt Kindergeld festgesetzt wurde [6].

Auswanderung: Entscheidend ist die steuerliche Ansässigkeit

Wer den Ruhestand im Ausland verbringen möchte, sollte früh klären, wo er steuerlich ansässig sein wird. Innerhalb der EU oder des Europäischen Wirtschaftsraums lassen sich die Leistungen aus dem Altersvorsorgedepot ohne Rückzahlung der Förderbeiträge beziehen; wie die Auszahlung besteuert wird, richtet sich dann nach dem Steuerrecht des jeweiligen Landes und dem geltenden Doppelbesteuerungsabkommen [2].

Außerhalb von EU und EWR gilt eine strengere Regel. Liegt der Wohnsitz oder gewöhnliche Aufenthalt zu Beginn der Auszahlungsphase dort, tritt eine schädliche Verwendung ein: Zulagen und Steuerermäßigungen aus der gesamten Ansparphase müssen dann vollständig zurückgezahlt werden [2]. Dasselbe gilt, wenn jemand zwar in der EU oder im EWR wohnt, nach einem Doppelbesteuerungsabkommen mit einem Drittstaat aber als dort ansässig gilt [7]. Das kann etwa zutreffen, wenn jemand in einem EU-Land eine Wohnung gemeldet hat, den überwiegenden Teil des Jahres aber außerhalb der EU verbringt; ob er dort als ansässig gilt, entscheidet das jeweilige Abkommen im Einzelfall.

Vererbung: Vermögen ja, Förderung nur unter Bedingungen

Grundsätzlich ist das im Altersvorsorgedepot angesparte Vermögen vererbbar. Davon zu trennen ist allerdings die staatliche Förderung: Zulagen und die aus dem Sonderausgabenabzug gewonnenen Steuervorteile bleiben nur erhalten, wenn das Vermögen auf einen eigenen Altersvorsorgevertrag des überlebenden Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartners übertragen wird. Voraussetzung ist, dass beide zum Todeszeitpunkt nicht dauerhaft getrennt lebten und ihren Wohnsitz in einem EU- oder EWR-Staat hatten [1]. In allen anderen Fällen muss die Förderung zurückgezahlt werden; übrig bleiben für die Erben die Eigenbeiträge plus Erträge [1]. Ob auf das Erbe Erbschaftsteuer anfällt, richtet sich unabhängig vom Altersvorsorgevertrag nach dem Erbschaftsteuerrecht. Im Regelfall bleiben Erwerbe bis 500.000 Euro für Ehegatten und eingetragene Lebenspartner, bis 400.000 Euro für Kinder und bis 200.000 Euro für Enkel steuerfrei; sind die Eltern eines Enkels verstorben, gelten für diesen 400.000 Euro [5].

Gegenüber der bisherigen Riester-Rente fällt vor allem eine Änderung ins Gewicht: Die frühere Möglichkeit, das Guthaben kindergeldberechtigter Kinder förderunschädlich in eine eigene Waisenrente umzuwandeln, entfällt beim Altersvorsorgedepot [1], [4]. Für Kinder, Enkel und alle übrigen Erben gilt künftig einheitlich die förderschädliche Lösung. Das ist die spürbarste Verschlechterung gegenüber dem bisherigen Recht [1].

Dem stehen aus Sicht von Erben und Hinterbliebenen mehrere Vorteile gegenüber. Weil das Altersvorsorgedepot zivilrechtlich ein gewöhnliches Wertpapierdepot ist, dürfte sich der Nachlass einfacher und transparenter abwickeln lassen als bei einer klassischen Riester-Rentenversicherung mit ihren produktabhängigen Rückkaufswerten und Tarifbestimmungen (unsere Einordnung). In der Auszahlungsphase entfällt die bisherige Zwangsverrentung ab dem 85. Lebensjahr: Ein Auszahlungsplan kann danach unverändert fortgeführt werden, sodass das verbleibende Restvermögen vollständig im Nachlass bleibt [1]. Für Leibrentenprodukte gilt künftig einheitlich eine optionale Rentengarantiezeit von zehn oder zwanzig Jahren; stirbt die versicherte Person innerhalb dieser Frist, wird die Rente für die restliche Zeit an die Hinterbliebenen weitergezahlt [4]. Ohne vereinbarte Garantiezeit endet eine lebenslange Leibrente dagegen mit dem Tod und ist nicht vererbbar.

Weitere Fragen zum Altersvorsorgedepot Antworten zu weiteren Detailfragen, etwa zur Kombination mit betrieblicher Altersversorgung oder vermögenswirksamen Leistungen, finden Sie im FAQ zum Altersvorsorgedepot.

Wie lange die Auszahlungsphase dauern kann

Wie lange das angesparte Vermögen reichen muss, wird regelmäßig unterschätzt [3]. Wer sich an der Lebenserwartung der eigenen Eltern oder Großeltern orientiert, übersieht, dass die statistische Lebenserwartung in Deutschland seit Jahren weiter steigt. Ein öffentlich zugänglicher Lebenserwartungsrechner [3] zeigt: Für einen 25-jährigen Berufseinsteiger ergibt sich eine statistische Lebenserwartung von rund 90 Jahren. Bei einer heute 62-jährigen Frau, die kurz vor dem Renteneintritt steht, liegt die statistische Restlebenserwartung bei rund 30 Jahren; das entspricht einem Alter von 92 Jahren. Von 100 gleichaltrigen Frauen erleben rund 80 noch ihren 85. Geburtstag, 20 sogar ihren 99.

Die statistische Lebenserwartung ist ein Durchschnittswert, der auf dem bereits erreichten Alter und der verbleibenden mittleren Lebensdauer beruht, keine individuelle Vorhersage [3]. Lebensstil und weitere persönliche Faktoren können die tatsächliche Lebensdauer erheblich von diesem Mittelwert abweichen lassen. Unsere Einordnung: Wer nur mit dem Durchschnitt rechnet, unterschätzt womöglich, wie lange das eigene Kapital reichen muss.

Wie lange reicht Ihr Kapital? Wie sich unterschiedliche Auszahlungsdauern und Entnahmehöhen auf das verbleibende Kapital im Altersvorsorgedepot auswirken, lässt sich im Fördervergleichsrechner Riester vs. Altersvorsorgedepot mit eigenen Annahmen durchspielen.