Zum Kabinettsbeschluss der Frühstartrente am 12. August 2026 verbreitete das Bundesfinanzministerium eine Modellrechnung, die schnell die Runde machte: Allein aus der staatlichen Förderung von insgesamt 1.440 € könne bis zur Volljährigkeit ein Depotwert von rund 2.200 € entstehen – und daraus bis zum Renteneintritt, ganz ohne weitere Einzahlungen, etwa 53.000 €. Mit monatlich 10 € Zuzahlung der Eltern seien sogar rund 107.000 € möglich. Mehrere Nachrichtenagenturen griffen diese Zahlen auf.

Eine ausführliche Analyse des Fachmediums Cash. (Redakteur Stefan Löwer, 13. August 2026) zeigt, warum diese Zahlen so nicht unkommentiert stehen bleiben sollten. Der zentrale Kritikpunkt: Die Hochrechnung beruht auf einer über nahezu sechs Jahrzehnte konstant angenommenen Rendite von 7 % pro Jahr – ein Wert, der laut Ministerium der langjährigen Durchschnittsrendite breit gestreuter Aktienanlagen entsprechen soll, allerdings nur in einer Fußnote unter der eigentlichen Tabelle auftaucht, nicht im Fließtext der Pressemitteilung.

Wie stark die Rendite-Annahme das Ergebnis verändert

Cash. hat die Modellrechnung für verschiedene Wertentwicklungsszenarien nachvollzogen. Das Ergebnis zeigt eine erhebliche Spannbreite:

Rendite p. a.Vermögen mit 18Vermögen mit 65Realer Wert (2 % Inflation)
10 %2.764 €243.778 €75.815 €
9 %2.577 €147.965 €46.017 €
8 %2.405 €89.543 €27.848 €
7 % (BMF-Annahme)2.200 €53.000 €16.483 €
6 %2.102 €32.509 €10.110 €
5 %1.968 €19.495 €6.063 €
3 %1.731 €6.945 €2.160 €
0 %1.440 €1.440 €448 €

Annahme: 10 € monatliche staatliche Förderung über 12 Jahre bis zum 18. Lebensjahr, danach konstante Wertentwicklung ohne weitere Einzahlungen bis Alter 65. Zahlen nach der Berechnung von Cash., basierend auf den BMF-Eckdaten. Eigene Darstellung, Auszug.

Schon der Sprung von 7 % auf 5 % Rendite lässt den Endwert von rund 53.000 € auf etwa 19.500 € einbrechen – weniger als die Hälfte. Bei 3 % bleiben knapp 7.000 € übrig.

Nominal ist nicht real

Ein zweiter Punkt, den die Analyse hervorhebt: Die 53.000 € sind ein nominaler Wert. Über einen Zeitraum von 59 Jahren (vom 6. bis zum 65. Lebensjahr) frisst bereits eine Inflation von 2 % pro Jahr – dem Zielwert der Europäischen Zentralbank – rund 70 % der Kaufkraft auf. Real entspräche der BMF-Modellwert damit einer heutigen Kaufkraft von rund 16.500 €.

Nachgelagerte Besteuerung nicht vergessen

Hinzu kommt die nachgelagerte Besteuerung bei Auszahlung, auf die das Ministerium ebenfalls nur im Kleingedruckten hinweist. Je nach künftigem persönlichem Steuersatz könnten – auf heutiger Rechtslage basierend – bis zu 45 % der ausgezahlten Summe an Steuern abgehen. Wie die Besteuerung im Auszahlungsjahr tatsächlich aussehen wird, ist über einen Zeitraum bis weit nach 2080 naturgemäß nicht vorhersehbar.

Was das für Ihre eigene Einordnung bedeutet

Keiner dieser Punkte spricht gegen die Frühstartrente als Konzept – der Zinseszinseffekt eines frühen Starts bleibt real, und schon eine moderate Rendite oberhalb der Inflation schlägt späteres Sparen. Er zeigt aber, warum eine einzelne, plakative Endsumme mit Vorsicht zu genießen ist. Genau deshalb haben wir unseren Frühstartrenten-Rechner so gebaut, dass Sie Rendite- und Kostenannahmen selbst verändern können, statt sich auf eine einzige, optimistische Modellrechnung zu verlassen.

Eigene Annahmen statt fremder Endsumme Dasselbe Prinzip gilt für die eigene Altersvorsorge: Der Fördervergleichsrechner Basisrente vs. Altersvorsorgedepot legt jede Annahme offen und macht sie veränderbar – Rendite, Kosten, Beitragsgarantie, Steuersatz in der Rentenphase und sämtliche Rechtsstandswerte. Die Steuerwirkung wird nicht mit einem pauschalen Satz geschätzt, sondern als Differenz zweier vollständiger Modellrechnungen ermittelt, und der zugrunde gelegte Rechtsstand ist am Seitenende samt Prüfsummen dokumentiert.

Für eine Einordnung Ihrer persönlichen Situation – inklusive realistischer Annahmen für Ihre Familie – steht Ihnen MONEY-FACTORY im kostenlosen Vorab-Check zur Verfügung.